Wer keine Ahnung hat …

Herabsetzung und Diffamierung statt Argumente – der Veganer täglich Brot.

Wer keine Ahnung hat, der titelt “Ernährung wird zum Religionsersatz”.

Mal ehrlich: Einer großen, überregionalen, angesehenen Tageszeitung sollte so eine Überschrift inzwischen doch eigentlich wenigstens ein bisschen peinlich sein.

Das Interview, das auf der Homepage der Süddeutschen noch unter dem unaufgeregten Titel “Tiere gehören für mich zur Landwirtschaft dazu” erschienen ist, wird auf Facebook in leider inzwischen für diese “sozialen” Medien schon gewohnt unsachlich-marktschreierischer Manier vorgestellt, indem man von “absurden” Vorstellungen der Verbraucher spricht und Menschen unterstellt, ihre Ernährung sei Religionsersatz für sie.

Natürlich stellen Interviews immer die persönliche Meinung des/der Interviewten dar. Damit kann man übereinstimmen, oder auch nicht. Aber dass eine Wissenschaftlerin immer noch mit dem naturalistischen Fehlschluss aufwartet, finde ich fast schon lächerlich. Da wird von Frau Weiler vollmundig ins Feld geführt, “dass der Mensch von Natur aus ein Allesesser, ein sogenannter Omnivore ist” und das bleibt dann unhinterfragt so stehen.

Und? Nur, weil etwas “natürlich” ist, bedeutet es noch lange nicht, dass es auch ethisch vertretbar ist. Es gibt eine Vielzahl natürlicher Verhaltensweisen, die wir sozial geächtet haben, weil wir sie für unethisch halten. Etwas derart Simples muss man heutzutage Wissenschaftler*innen erklären? Menschen, die studiert haben? Menschen, die in der Lage sein sollten, logisch zu denken und zu argumentieren?

Ja, mag sein, dass wir Allesesser sind. Allerdings sollte es uns vielleicht zu denken geben, dass tierliche Produkte inzwischen mit verschiedenen Krankheiten, wie z.B. Gefäßerkrankungen und einigen Krebsarten in Zusammenhang gebracht werden. Womöglich vertragen wir die omnivore Diät (die ihrerseits selbstverständlich kein Religionsersatz ist) halt doch nicht ganz so gut, wie andere Allesesser es können.

Ja, mag sein, dass wir alles essen können, aber wir müssen es nicht. In Notzeiten wird  alles Mögliche gegessen und wenn es Brennwert hat und einen nicht direkt umbringt, hilft das zu überleben. Etwas zu können ist nicht Grund genug und schon gar nicht Berechtigung, etwas auch zu tun. Ganz besonders nicht, wenn dadurch andere empfindungsfähige, bewusste Wesen zu Schaden kommen. Es kann doch nicht angehen, dass derart einfache, logische Gedankengänge heutzutage immer noch wieder und wieder und wieder erläutert werden  müssen.

Auf den naturalistischen Fehlschluß folgt dann unweigerlich auch gleich der Traditionsappell: “Traditionell werden männliche Schweine in Europa seit mehr als 1000 Jahren kastriert.” Und? Traditionen können falsch sein. Und zwar immer dann, wenn dadurch Dritte zu Schaden kommen. Auch hier gäbe es genügend Beispiele zu nennen.

Die Religionskeule als Totschlagargument darf in diesem bunten Strauß der allerorts und bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenhaft wiederholten Scheinargumente natürlich nicht fehlen. “Zunehmend definieren sich bei uns Menschen über ihren Ernährungsstil, dabei wird Ernährung fast zum Religionsersatz.” Derlei Behauptungen sind nichts weiter als billige rhetorische Winkelzüge, um andere zu diffamieren und als irrationale, verschrobene Wirrköpfe hinzustellen. Ein ernstzunehmendes, valides Argument ist es nicht. Und wiederum ist es bedauerlich und ärgerlich, dass eine angesehene Zeitung so etwas unhinterfragt und kritiklos stehen lässt.

Nein, Veganer*innen definieren sich nicht über ihren Speiseplan. Sie überdenken und definieren zuerst ihre Grundwerte und daraus folgend ihre Ethik. Das Konsum- und weitere Verhalten, also unter anderem Ernährung und Kleidung, werden dann an die Ethik angepasst.

Ich halte es für unlauter, Veganer*innen zu unterstellen, sie erhöben ihre Ernährungsweise zur Ersatzreligion. Motivation und daraus folgende Konsequenz werden dabei verdreht. Ob dies absichtlich oder aus echter Unkenntnis geschieht, sei dahin gestellt. Ich zumindest erlebe die philosophischen, ethischen Überlegungen des Veganismus als außerordentlich rational und möchte auf entsprechende Literatur verweisen. Hier einige Beispiele:

  • Hilal Sezgin, Artgerecht ist nur die Freiheit
  • Gary L. Francione, Eat Like You Care
  • Sherry F. Colb, Mind If I Order the Cheeseburger?
  • Tom Regan, Empty Cages
  • Friederike Schmitz, Tierethik: Grundlagentexte

Dabei will ich gar nicht verhehlen, dass die Diskussionen über Veganismus und Tierrechte mitunter emotional sehr aufgeladen sind. Das ist aber nicht einer Religiosität geschuldet, sondern entsteht aus dem schrecklichen und belastenden Wissen, dass in jeder Sekunde, jeder Minute, in der über Nebensächlichkeiten diskutiert wird, wehrlose Lebewesen in Ställen, auf Transporten, in Schlachthäusern und Labors und nicht zuletzt durch Jagd und Fischerei, unfassbares Leid erfahren. Es geht Veganer*innen nicht um Geltungsbedürfnis, moralische Überlegenheit und was der Unterstellungen mehr sind. Es geht um Gerechtigkeit und Mitgefühl. Dieses Mitgefühl mit der leidenden Kreatur, die daraus resultierende Verzweiflung und das Gefühl der Dringlichkeit lassen uns eben manchmal ungeduldig, laut, oder sarkastisch werden.

Es gibt im Veganismus keinerlei starren, seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden fest betonierten Verhaltens- oder Ernährungsregeln wie sie sich in manchen Religionen finden lassen. Wer die Ethik des Veganismus verstanden und sich zu eigen gemacht hat, wird selbst am Meisten bemüht sein, Wege zu finden, diese Wertvorstellungen erfolgreich umzusetzen und sich ständig zu verbessern. Es gibt keine hauptberuflichen Priester*innen, Schriftgelehrten oder Prophet*innen, die irgendetwas vorschreiben, die “Sünden” vergeben können oder zumindest behaupten, es zu können. Es wird kein Paradies versprochen, aber auch nicht mit der Hölle gedroht, abgesehen von der Hölle, die wir Menschen für die Tiere errichtet haben. Zwar gibt es unter Veganer*innen auch Menschen, die auf Fehler oder Inkonsistenzen hinweisen, aber das ist völlig in Ordnung. Konstruktive Kritik ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Zumindest bei jenen, die bereit sind, an sich zu arbeiten, was bei vielen Veganer*innen als grundlegende Haltung angenommen werden darf. Immerhin haben sie sich bereits kritisch auseinandergesetzt mit den Vorstellungen, Überlieferungen und Behauptungen, die ihnen von Kindesbeinen an eingetrichtert wurden. Sie haben die bestehende Tierausbeutungsideologie hinterfragt und als mangelhaft bewertet.

Ethik kann tatsächlich ein Ersatz für Religion sein. Im Gegensatz zu Religionen, die oft auf alten Büchern basieren, die bestenfalls mit viel Mühe für die Neuzeit passend uminterpretiert werden, ist Ethik ein lebendiges, wachsendes, philosophisches Gedankengebäude, das geeignet ist, zu reflektiertem, verantwortungsvollem, moralischen Handeln zu ermuntern. Religionen sind in sich selbst oft widersprüchlich und inkonsistent und daher als moralischer Kompass denkbar ungeeignet. Ethik hingegen basiert auf logischen Überlegungen, auf schlüssigen Argumenten, auf dem Gedanken, dass gleiche Situationen gleiche moralische Berücksichtigung verdienen. Ethik beruft sich nicht auf verstaubte Vorschriften, sondern fordert auf, das eigene Verhalten immer wieder auf den Prüfstand von Verständnis, Rücksicht, Empathie, Nachdenken und Mitgefühl zu stellen.

Dass es nicht für jedes Dilemma eine befriedigende Lösung gibt, ist uns schmerzhaft bewusst. Aber diejenigen Dilemmata, die lösbar sind, sollte man lösen. Eine relativ geringfügige Umstellung der Lebensführung ist nicht zuviel verlangt, wenn es für die aktuell Leidtragenden um Leben und Tod geht. Noch jede*r Veganer*in hat gesagt, dass es leichter ist, viel leichter, als zunächst befürchtet.

Wenn man sich ansieht, zu welchen Auswüchsen Religionen in der Geschichte der Menschheit geführt haben und immer noch führen, sollte uns allen sehr daran gelegen sein, die Religionen tatsächlich endlich durch eine ordentliche säkulare Ethik zu ersetzen.

Eine Frage stellt sich mir immer wieder, wenn uns unterstellt wird, Veganismus sei wie eine Religion für uns: Warum stören sich eigentlich die Kirchen nicht an diesem Vorwurf? Es werden ja nicht nur die jeweiligen Diskussionsgegner herabgesetzt, sondern auch Glaube und Religion per se. Religion wird durch solche Sätze als etwas grundsätzlich Minderwertiges und Unvernünftiges dargestellt. Das sollte doch kirchlichen Würdenträgern noch sauerer aufstoßen als uns.

Doch zurück zum Interview: Etwas später wird einfach behauptet “das Tier bleibt unversehrt”. Nein, bleibt es nicht. Sie werden letztlich alle getötet. Immer.

Noch weiter im Text wird die Würde des getöteten Lebewesens über den erzielbaren Profit definiert: “[…] 2016 […] erzielte ein Landwirt für seine Tiere 1,24 Euro pro Kilo Schlachtgewicht. Wie steht das im Verhältnis zu einem würdigen Umgang mit dem Lebewesen Tier?” fragt Frau Weiler.

Ich halte Preisangaben je Kilo “Schlachtgewicht” nicht für vereinbar mit dem Konzept der Würde von lebenden, fühlenden, bewussten Wesen. Die Höhe des erzielbaren Preises ist dabei unerheblich.

“Wer Tiere aufzieht, um sie zu töten, hat es schwer, positiv wahrgenommen zu werden.” Ja, stimmt. Aus gutem Grund und völlig zu Recht, wie ich meine.

Es ist nun einmal ethisch nicht vertretbar, fühlende, bewusste Wesen um des Profits Willen zu züchten und zu töten, zumal nicht die geringste Notwendigkeit dafür besteht. Da wir laut eigener Aussage dieser Wissenschaftlerin Allesesser sind, können wir auch einfach etwas anderes essen. Genau da beginnt die Ethik: Dürfen wir fühlende, bewusste Wesen essen, obwohl es nicht nötig ist?

Darauf kann die Antwort nur lauten: selbstverständlich nicht.

Alle, die sich wünschen, dass die Tiere gut behandelt werden, dass sie ein schönes Leben und einen “leichten” Tod haben, erkennen damit an, dass Tiere Gefühle haben, dass sie unterscheiden können zwischen angenehm/unangenehm, Wohlgefühl/Schmerz und dass sie ein Interesse daran haben, nicht zu leiden und am Leben zu bleiben. Es bedeutet, dass uns, den Verbraucher*innen, sehr wohl klar ist, dass es sich um bewusste, fühlende Wesen handelt. Es ist deshalb unsere Pflicht und unsere Verantwortung, sie moralisch zu berücksichtigen und das bedeutet, ihre Ausbeutung und Tötung zu unterlassen.

Ein bewusstes, fühlendes Wesen nur zu züchten, um es alsbald zu töten, ist die maximale Missachtung dieses Wesens und seines Lebens und zwar auch dann, wenn man sich vorgeblich gut darum kümmert.

Nicht wie wir sie benutzen, ist das Problem, sondern dass wir es tun.

Hör auf dein Herz und dein Gewissen. Sei fair. Sei vegan.

Foto: pixabay

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“ich lebe zu 95% vegan”

Wer verstanden hat, worum es beim Veganismus geht, faselt nicht in Prozenten. Bei vorsätzlicher Gewaltanwendung gegenüber wehrlosen, voll empfindungsfähigen Lebewesen darf einfach nicht um Prozente gefeilscht werden. Das ist unredlich und moralisch nicht vertretbar.

Wir haben das wunderbare Privileg, immer und überall genug zu essen zur Verfügung zu haben. Wir müssen nicht aus der Not heraus die anderen Tiere verzehren. Wir müssen ihnen nicht aus der Not heraus die Haut abziehen oder die Federn ausreißen. Es gibt so viele Alternativen in wirklich allen Bereichen, also sollten wir dieses Privileg zum Wohle der anderen fühlenden Lebewesen dieses Planeten auch nutzen.

Wenn man die Möglichkeit hat, auf Gewalt zu verzichten, dann hat man die moralische Pflicht, es auch zu tun.

Vorsätzliche Gewalt gegenüber Wehrlosen ist zu 100% unethisch und ist unter allen Umständen zu vermeiden.

#Sei_fair_sei_vegan

 

 

Wenn ich Tierwirt*in wäre

Ich gebe zu, wäre ich Tierwirtin, hätte ich eine Stinkwut auf die vegane Bewegung. Und Angst.

Das hier wird ein schwieriger Artikel. Ich versuche zu verstehen, mitzufühlen. Das kann leicht wie mitleidige Arroganz wirken. So ist es aber nicht gemeint. Ich versuche einfach nur, mich in die Lage anderer hinein zu versetzen.

Was wären wohl meine Gedanken, wenn ich Tierwirtin wäre und meinen Lebensunterhalt durch Tiere verdiente? Vielleicht etwa dies:

“Was fällt diesen überheblichen Besserwissern eigentlich ein? Mein Leben lang habe ich geschuftet, um die Menschen mit Nahrung zu versorgen, mit lebenswichtigen Produkten. Mit Milch, mit Fleisch, mit Eiern. Und nun soll das alles nichts wert gewesen sein? Nun soll ich auf einmal ein unethischer Mensch sein? 7 Tage die Woche muss ich für die Tiere da sein, früh aufstehen, bis in die Abendstunden mich abplacken und noch Buchführung machen, immer neue Gesetze und Änderungen beachten und jetzt soll ich mich auch noch schämen dafür?

Mein ganzes Leben lang war ich davon überzeugt, das Richtige zu tun, eine wichtige Aufgabe für die Allgemeinheit zu erfüllen und jetzt soll das auf einmal unmoralisch sein? Die kommen einfach daher und stellen alles in Frage, was ich mein Leben lang getan habe und geglaubt habe. Die stellen meine Arbeit, meine Überzeugungen in Frage. Sie stellen mich in Frage. Mit welchem Recht eigentlich?

Meinen die vielleicht, dass das immer so einfach ist? Ich bin doch kein Unmensch, ich sehe doch auch, dass die Tiere oft leiden und dass sie nicht sterben wollen. Immer war ich davon überzeugt, dass das nun einmal notwendig ist, dass irgendjemand diese traurige Aufgabe machen muss, weil wir diese Produkte nun einmal brauchen. Glauben die wirklich, dass mich das nicht auch berührt hätte in all der Zeit? Halten die mich für ein Monster, oder was? Es ist auch für mich nicht leicht und jetzt soll das alles umsonst gewesen sein? Unnötig sogar? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein.

alone-513525_1920Die wollen mir wohl meinen Lebensunterhalt wegnehmen? Meinen Lebensinhalt reden sie schlecht.  Was soll ich denn machen? Wie soll ich meine Familie ernähren? Mit Fördergeldern bin ich geködert worden und nun bin ich bis über beide Ohren verschuldet. Selbst wenn ich wollte, dann könnte ich jetzt nicht aufhören damit. Was soll ich denn machen? Ich sitze doch in der Falle. Es gibt praktisch keine anderen Verdienstmöglichkeiten, eine Umstellung auf Pflanzen würde erst einmal mehr kosten als herein kommt. Wie soll ich das denn bezahlen? Wie soll ich das überbrücken? Und wer garantiert mir, dass ich dann damit mein Auskommen hätte? Von überall her werden angebliche Bio-Produkte zu Dumpingpreisen importiert. Da kann ich doch gar nicht mithalten.

Was soll ich denn tun? Das ist einfach ungerecht und unfair!”

Kann sein, dass ich komplett falsch liege. Dennoch wünschte ich mir, dass die Parteien, die Landwirtschaftsminister, wer auch immer dazu in der Lage ist, Programme und Förderungen entwickelt, die es den Bauern leicht machen, von der Tierwirtschaft auf die Landwirtschaft umzusteigen. Umschuldung, von mir aus auch Entschuldung, Förderung von ökologischer bio-dynamischer Landwirtschaft, oder noch besser, bio-veganer Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten, ehrenvollsten Berufe überhaupt. Jedes Mal, wenn ich im Supermarkt die Obst- und Gemüse-Abteilung bestaune, oder auf dem Wochenmarkt das bunte, vielfältige Angebot sehe, bin ich einfach nur dankbar, dass es Landwirte gibt, die all das erzeugen. Ich wünsche mir nicht weniger Landwirte, ich bekämpfe nicht die Bauern. Ich wünsche mir, dass die Tierwirte auf Landwirtschaft umsteigen und dass es ihnen leicht gemacht wird, das zu tun.

Liebe Landwirte,

ich hasse Euch nicht und ich verachte Euch nicht. Ich will Euch nichts Böses. Aber ich bin der Meinung, dass dieses System der Tierprodukte-Erzeugung nur Leid verursacht, bei Tier und Mensch, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das wir gemeinsam Wege aus dieser Misere finden.

Ein paar Gedanken zu “veganen” Tierzüchtern

Im Deutschlandfunk (ausgerechnet in der Sparte “Kultur”) wird in den höchsten Tönen ein angeblich veganer Schweinezüchter ob seiner hohen ethischen Ansprüche gelobt. Wenige Wochen davor berichteten NDR, ARD und ZDF über eine angeblich vegane Rinderzüchterin.

Schätze, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten veganen Treibnetzfischer, Hummerköche, Nerzmantel- und Stopfleber-Produzenten zu Wort melden.

Hier mein Kommentar zu dem Schweinebauern-Artikel, den ich ganz gewiss nicht verlinken werde, weil ich nicht auch noch Werbung für einen meines Erachtens ziemlich peinlichen journalistischen Fehlschlag sowie den darin genannten Hof machen werde.

“Das Wort ‘Veganismus’ bezeichnet eine Philosophie und Lebensweise, die versucht, so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was Menschen, Tieren und der Umwelt zum Vorteil gereichen soll.”

~Donald Watson, Gründer der Vegan Society und Erfinder des Wortes ‘vegan’.

Man hätte das recherchieren können. Hätte man, wenn man nicht so sehr damit beschäftigt gewesen wäre, sich die Werbung für den Hof des Herrn A. in die Feder diktieren zu lassen.

“Ich bin nicht dafür da, dass ich meine Schweine schlachte und umbringe” – Ja, Nee, is klar. Dafür gibt’s ja andere. Kommt mir bekannt vor. Da gab’s doch einen berühmt-berüchtigten römischen Präfekten mit P, der hat auch seine Hände in Unschuld gewaschen.

“Diese besondere Ethik herrschte nicht immer ” – Ja, diese Ethik finde ich auch ziemlich besonders. Wenn ich (angeblich) nett zu einem fühlenden Wesen bin, dann darf ich es nachher töten (lassen). Den Gedanken kann man ruhig mal weiter spinnen: Wenn ein Mann einer Frau ein schönes Abendessen spendiert, dann darf er nachher auch… In beiden Fällen definiert der Nutznießer was “gut” ist, die Opfer haben halt letztlich Pech, dürfen sich aber darüber freuen, dass die Nutznießer sich immerhin für vegan halten.

Dieser Mann ist kein Veganer, sondern einfach nur jemand, der aus gesundheitlichen Gründen auf eine pflanzliche Ernährung umgestiegen ist. Zitat: “Durch den Verzicht auf tierische Lebensmittel wurde er sein langjähriges Muskelrheuma los.”

Hm. Genau da muss ich mal eben kurz stutzen. Ich denke, rein pflanzliche Ernährung ist total ungesund, weil da die wichtigen Fleisch-Vitamine fehlen. Wieso kann man davon gesund werden? Überall wird uns erzählt, dass man von dieser üblen Mangelernährung zwangsläufig sterbenskrank wird. Und jetzt dann doch nicht? Ja, was denn nun? Ist der Herr A. damit nicht selbst der beste Beweis dafür, dass wir nicht nur kein Fleisch brauchen, sondern es vielleicht sogar meiden sollten?

Da er das am eigenen Leib erlebt hat, wieso denkt er dann, es sei seine gesellschaftliche Aufgabe, weiterhin Fleisch zu produzieren? Müsste er sich da nicht eigentlich Vorwürfe machen, weil er ein womöglich gesundheitsschädliches Produkt erzeugt?

Fragen über Fragen. Aber egal. Herr A. hat eine schöne Werbung für seinen Hof bekommen, die Verbraucher dürfen sich im guten Gewissen suhlen und beruhigt weiter die kostbaren Leben fühlender Wesen konsumieren, der Sender hat irgendwas veröffentlicht. Win-Win-Win. Alle sind zufrieden. Bis auf die Schweine. Die werden immer noch getötet, sobald sie “reif” sind, was meistens im Alter von 6-8 Monaten der Fall ist. Sie könnten, wie Hunde, 15 Jahre alt werden. Könnten, wenn man sie einfach in Ruhe ließe.

“Wie konnten wir nur jemals denken, es sei unser Lebenszweck, andere Lebewesen ihres Lebenszwecks zu berauben?”
~Dr. Will Tuttle, World Peace Diet


Edit 6. Juni 2017.
Ergänzung:
Zitat: “Durch den Verzicht auf tierische Lebensmittel wurde er sein langjähriges Muskelrheuma los.”
Da kein Link zum Artikel des Deutschlandfunks gegeben wurde, in dem man das nachlesen konnte, war es unklar, woher ich wusste, dass der Herr aus gesundheitlichen Gründen auf pflanzliche Ernährung umstieg.

Psychotest: Wie sozial verträglich bist du?

Psychotest: Wie sozial verträglich bist du?

Szenario:

Drei Hunde liegen friedlich dösend am Wegesrand unter einem Baum im Schatten. Ein Mann geht vorbei und tritt einem der Hunde kraftvoll in die Rippen.

Was tust du?

1. Nichts natürlich. Jeder wie er mag. Er respektiert deine Entscheidung, keine Hunde zu treten, also respektierst du seine auch. Außerdem sind Hunde schon immer getreten worden und es wird auch immer Menschen geben, die Hunde treten, also was soll’s? So ist eben die Welt.

2. Du klopfst dem Mann bewundernd auf die Schulter und lobst ihn dafür, dass er die anderen beiden Hunde nicht auch getreten hat. Absolut großartiger, selbstloser Verzicht und auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

3. Du stellst den Mann zur Rede, versuchst dem getretenen Hund zu helfen und die anderen beiden aus der Gefahrenzone zu bringen. Dann erklärst du dem Mann, dass es nicht in Ordnung ist, fühlende Wesen nur zum Vergnügen zu verletzen und dass er das zukünftig unterlassen sollte.

Auflösung:

1) Glückwunsch! Du bist ein toleranter, realistischer Mensch, der andere respektiert und es nicht nötig hat, ihnen die eigene Meinung aufzuzwingen. Du bist somit ein hervorragend sozial verträglicher Mensch und bei allen zu Recht beliebt.

2) Du bist ein Held für die Tiere und weißt einfach, wie man seine Mitmenschen motiviert und überzeugt. Dabei wirst Du jedoch nie überheblich und verlangst nie zuviel. Deine Sozialverträglichkeit ist vorbildlich und Du verdienst es, dass alle Dich bewundern und Deine Freunde sein wollen.

3) Leider verloren! Deine Sozialverträglichkeit lässt deutlich zu wünschen übrig. Lass doch endlich die Moralkeule stecken, denn damit erreichst Du niemanden! Mit Deinen völlig überzogenen, unrealistischen Forderungen treibst Du alle in die Flucht. Hör endlich auf, zu missionieren und allen Deine Meinung aufzuzwingen, dann kann auch aus Dir noch ein Menschenfreund werden.


Dieses Gedankenexperiment ist nicht neu und auch nicht originell, aber ich wollte es dennoch in meinen eigenen Worten ausdrücken. Hier die beiden Beiträge, die mich dazu inspiriert haben.

Zuerst die schlafende Katze von “Free From Harm”, einem sehr lesenswerten Blog:

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Und zweitens, dieser ebenfalls sehr lesenswerte Beitrag vom Semantic Parser, in dem es um Zivilcourage geht:

http://veganswer.de/jeder-wie-er-will-gedankenexperiment/

Das sind zwar keine schönen Bilder, aber…

Das sind zwar keine schönen Bilder, aber…

… wenn es schon sein muss, dann sollten wir es wenigstens “richtig” machen. Nicht wahr?

Am 12. Mai 2017 hat der Bayerische Rundfunk ein Video veröffentlicht, Tierschutz beim Schlachten: Schonendes Töten, besseres Fleisch | Unser Land | BR, in dem gezeigt wird, wie Schweine “schonend” geschlachtet werden. Es ist ein bemerkenswerter Zeitpunkt, da kurz zuvor andere Videoaufnahmen aus einem Bio-Schlachthof ebenfalls in Bayern Aufsehen erregten, weil sie zeigten, wie Tiere grob und grausam behandelt werden, wenn sie nicht in die Tötungsbox gehen wollen. Es gibt auch Videoaufnahmen, die belegen, dass nicht wenige Tiere leider nicht ausreichend bewusstlos(1) sind, wenn die Weiterverarbeitung beginnt.

Im Einführungstext zum Video steht folgender Satz:

Wir zeigen, wie es bei einem Metzger vorbildlich läuft, auch wenn das keine angenehmen Bilder sind.

(Hervorhebung von mir.)

Wieso warnt man vorsorglich, dass es keine angenehmen Bilder sind? Hier wird doch nur gezeigt, wie unser Essen gemacht wird und noch dazu auf vorbildliche Weise? Da müssten wir doch mit Begeisterung und auf Hochtouren arbeitenden Speicheldrüsen zusehen können und sogar wollen, oder etwa nicht?

Wenn es uns unangenehm ist, zuzusehen, wie Tiere getötet werden; wenn wir uns vor Blut ekeln und das Geräusch, wenn einem Tier die Haut abgezogen wird, grässlich finden; wenn wir selbst dann nicht zusehen mögen, wenn alles “mit rechten Dingen” zugeht, sollten wir uns dann nicht vielleicht fragen, warum das so ist? Warum müssen wir gewarnt werden, dass jetzt gleich vorgeführt wird, wie Tiere getötet werden? Warum müssen wir vor diesem Anblick geschützt werden? Es müsste uns doch statt dessen das Wasser im Mund zusammen laufen.

Viele Metzger berichten, dass es ihnen zumindest anfangs nicht leicht gefallen ist, Tiere zu töten. (Benjamin Koch auf die Frage, ob Töten Spaß mache: “Spaß macht das nicht, aber es macht mich auch nicht mehr traurig.”(2) Also hat ihn das Töten zu Beginn traurig gemacht. Und was ist dann passiert? Ist es ihm gelungen, sich ausreichend abzuhärten? Hat er seine Abneigung gegen das Töten überwunden?

Wieso halten wir seelische Abhärtung und die Überwindung unseres natürlichen Mitgefühls für erstrebenswerte, gar “männliche”, Eigenschaften?

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Natur, dass Evolution, ein Lebewesen hervorbringt, das sich vor der Gewinnung seines vermeintlich wichtigsten Lebensmittels ekelt? Das sich beim Anblick der Herstellung seiner Nahrung unangenehm berührt fühlt, das sich windet und wegsehen möchte, das sich ekelt und mit seinem Essen Mitleid empfindet? Sind all diese unangenehmen Gefühle, die wir erleben, wenn wir ein solches Video ansehen, denn günstig für das Überleben der Art? Können dieser Widerwillen, dieser Ekel vor der Herstellung des eigenen Essens, denn ein Vorteil beim Überleben sein?

Wie viele Löwen mag es wohl geben, die Hemmungen haben, einem Zebra an die Gurgel zu gehen, und die erst mühsam lernen müssen, diese Hemmungen zu überwinden? Wie viele Hyänen gibt es wohl, die sich vor vermodernden Kadavern ekeln? So etwas kommt einfach nicht vor in der Natur. Jedes Lebewesen liebt und genießt das Essen, das es am besten verträgt, das die beste Nahrungsquelle für es ist. Wir ekeln uns nicht davor, Früchte zu pflücken, Nüsse zu knacken oder Gemüse zu schneiden. Wenn wir in einen Apfel beißen, tut er uns nicht leid.

Wenn das Blut wäre, wäre es dann immer noch niedlich?

Gemeinschaftliches Pilze- oder Beerensammeln empfinden wir als angenehm, unterhaltsam, Gemeinschaft stiftend und zutiefst befriedigend. Wenn kleine Kinder mitten im Erdbeerfeld sitzen, glücklich und selbstvergessen eine süße Frucht nach der anderen in sich hineinstopfend, finden wir das entzückend. Würde dasselbe Kind mit blutverschmiertem Gesicht am aufgerissenen Bauch eines Gnus hocken und rohe Fleischfetzen verschlingen, würde uns das Grauen schütteln. Das ist der Stoff aus dem Gruselfilme gemacht werden.

Niemals würden wir ein Kind mit in einen Schlachthof nehmen und ihm stolz präsentieren, wie sein Essen gemacht wird. Die meisten Kinder wären schwer traumatisiert und viele Erwachsene auch. Der Prozess der Abstumpfung dauert lang. Meist gelingt er gar nicht. Wir werden lediglich Meister in der Kunst des Wegsehens, des Nicht-Genau-Hinsehens, des Ignorierens. – “Hör auf, mir davon zu erzählen, sonst schmeckt mir mein Essen nicht mehr!” – Deshalb müssen wir vorsorglich gewarnt werden bei solchen Videos, damit wir nicht unvorbereitet mit der Realität konfrontiert werden, damit wir Gelegenheit haben, noch schnell abzuschalten, das Zimmer zu verlassen, wegzusehen oder uns innerlich zu stählen, damit wir dem Anblick standhalten können.

Löwenkinder haben damit keinerlei Probleme. Wenn die Eltern eine halbe Gazelle heran schleifen, dann ekeln sie sich nicht, dann sind sie keineswegs traumatisiert, sondern stürzen sich darauf, ohne die kleinsten Gewissensbisse. Löwenkinder finden das toll. Das ist ihr Essen. Würden wir Menschenkindern ein halbes, rohes Kaninchen auf den Teller klatschen, wäre das Geschrei groß. Wenn das Kind hingegen mit Gusto seine Zähne in den dampfenden Kadaver schlagen würde, schauderte uns vor diesem Kind.

Warum ist das so? Warum kostet es uns Überwindung, zuzusehen, wenn Tiere getötet werden? Warum ist es schwierig, das Töten zu lernen? Warum verstecken wir es vor uns, indem wir die Schlachthöfe in abgelegene Gewerbegebiete verbannen? Warum sind diese Berufe stigmatisiert? – “Also, ich könnte das nie!” – Warum machen wir keine Unterhaltungsausflüge in die Schlachthöfe, um uns “unser” Fleisch selbst von den toten Körpern zu schneiden? Warum finden wir es eklig, wenn ein Kadaver ausgenommen wird und die Gedärme herausquellen? Warum haben wir überhaupt Mitleid mit diesen Lebewesen?

Warum finden wir es so unerträglich, wenn wir an dieses ganz ursprüngliche, uns mühelos zufliegende Mitgefühl erinnert werden? Warum sind wir verärgert, wenn an unser Mitleid appelliert wird? Sind nicht gerade dieses Mitgefühl und unser Empfinden für Gerechtigkeit, Ethik und Moral ganz besonders große Errungenschaften, auf die wir zu Recht stolz sein dürfen?

Das sind keine rhetorischen Fragen. Ich bitte die LeserInnen ganz dringend in sich zu gehen und sich diese Fragen selbst zu stellen.

Wer sich noch etwas eingehender mit diesem Thema befassen möchte und des Englischen mächtig ist, sollte sich unbedingt Dr. Milton Mills’ Vortrag über “Meat Eating and the Biology of Disgust” ansehen.

Ich bin längst davon überzeugt, dass unser Mitgefühl keineswegs Ausdruck von Verweichlichung und Entfremdung von der Natur ist. Ganz im Gegenteil. Wir haben Mitgefühl mit den anderen Tieren, weil wir wissen, dass sie sich in den wesentlichen Dingen nicht von uns unterscheiden. Wir haben Lungen, Herzen, Haut, Knochen, Lebern, Nieren, Muskeln, Nerven. Ihre Organe funktionieren nicht wesentlich anders als unsere. Sie erfüllen dieselben Aufgaben auf dieselbe Weise. Die Unterschiede sind höchstens graduell, nicht essentiell. Warum sollten ausgerechnet ihre Gehirne so wesentlich anders funktionieren?

Wir verstehen ihre Körper, weil wir unsere Körper verstehen. Wir verstehen den Ausdruck von Angst in ihren Augen, weil er sich nicht von dem Ausdruck der Angst in unseren Augen unterscheidet. Wir verstehen ihre Körpersprache, weil wir unsere Körpersprache verstehen. Wir verstehen ihren Schmerz, weil wir unseren verstehen. Wir sind aus derselben Evolution hervorgegangen, wir sind keine Fremden, wir sind verwandt miteinander. Wir sind verwandte Seelen.

Sieh in ihre Augen und erkenne dich selbst darin. Wenn es um Leben und Tod geht, gibt es keinen Unterschied zwischen ihnen und uns.

Wir müssen unsere Geschwister nicht töten.

Wir dürfen unsere Geschwister nicht töten.


(1) Hier ein Video zur unzureichenden Bewusstlosigkeit: Bruellen der Rinder -lebendig zerlegt beim Schlachter um die Ecke und ein erläuternder Text eines Amtstierarztes, damit man die Aufnahmen besser verstehen und einordnen kann:

“Da sieht man ja alles wunderbar, wogegen ich bei der Arbeit ankämpfe. Alle Treibmethoden. Mit Gabeln und sogar winzige Kälber mit dem verbotenen Schwanzgriff treiben, bei dem man die Schwänze bricht. Als ob so ein Winzling nicht anders vorwärts geschoben werden könnte. Bei 7:12 einen Bullen, bei dem der Betäubungsschuß völlig daneben ging. Er blinzelt noch und ist bei vollem Bewusstsein. Der bei 9:30 hat einen leichten Hau abgekriegt, das sieht man am zitternden Aufgapfel. Aber auch da ist bei Weitem keine ausreichende Betäubung vorhanden. Wenn sie noch selber blinzeln oder zumindest auf Berührung des Augapfels blinzeln, ist die Betäubung auf jeden Fall misslungen. Man sieht auch sehr schön, dass die nicht ausreichend betäubten Tiere nicht zappeln. Bei 12:12 sieht man einen Bullen, bei dem die Betäubung funktioniert hat. Die Zunge hängt heraus, er zeigt eine letzte Agonieschnappatmung und dann entlädt sich die Restenergie in den Zellen, die zu Flucht oder Kampf bereit gestellt war in zappelnden Bewegungen. Sieht am schlimmsten aus, was irreführend ist. Bei 13:08 sieht man eine offenbar gelungene Betäubung. Der Bulle scheint gut getroffen, er verdreht die Augen, ein Zeichen dafür, dass das Gehirn einen Schlag ab bekommen hat. Der Metzger testet sogar den “Zwinker-Reflex”. Aber bei 13:40 zeigt ein anderer Bulle ein ähnliches Gesicht und kommt dann doch wieder zu sich, zwinkert und ist voll dabei, als es der Arbeiter nicht mehr nachprüft. Die Schädelplatte der Bullen ist sehr dick. Leicht verkantet oder verrutscht, wird der Bolzenschuß sofort unwirksam. Zwischen gar nicht und gut betäubt gibt es jede mögliche denkbare Variante. Den Ton hatte ich nicht an.”
~N.T.

(2)
10 Fragen an einen Metzger

Parents overjoyed – brutal son goes reducetarian

baby-1880769_1920John and Hillary W. are enthralled that their son Rudi (7) is finally going reducetarian and has vowed to beat up his little sister Sandra (2) only on 6 days a week instead of daily.

“It’s a step in the right direction. We are so proud of him.”

In one or two years, if Rudi got accustomed to it, he might even think about reducing to 5 days per week. Who knows, in 20 or 30 years he might even be able to totally forego the violence. To ask an immediate end to the beatings would be far too extrem, totally dogmatic, and completely unrealistic.

“One must not ask too much at once. That would make Rudi cantankerous and stubborn. You have to be grateful for every little improvement.”

When asked why Rudi is not just given a sandbag or punching-ball to box those instead, the answer was: “Well, that’s just not like the real thing. Hitting a living, screaming face feels so much better to him. We simply can’t ask such a big sacrifice of him.”

Little Sandra did not comment as she’s still recovering from the last blows, but she’s already looking forward to next week’s beat-free Monday.

#Reducetarianism #Flexitarianism #Pescetarianism #Vegetarianism #Bullshitarianism

#NoExcuses #GetReal #BeFair #GoVegan

German Version:
https://oideschachdl.wordpress.com/2017/05/08/eltern-uberglucklich-brutaler-sohn-wird-reducetarier/

Eltern überglücklich – Brutaler Sohn wird Reducetarier!

baby-1880769_1920Heinz und Renate W. sind begeistert, denn ihr Sohn Rudi (7) wird endlich Reducetarier und hat sich vorgenommen, zukünftig seine kleine Schwester Sandra (2) nur noch an 6 Tagen pro Woche grün und blau zu prügeln, statt wie jetzt täglich.

“Es ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sind so stolz auf ihn.”

In ein oder zwei Jahren, wenn Rudi sich daran gewöhnt hat, kann er vielleicht sogar auf nur 5 Tage wöchentlich reduzieren. Wer weiss, womöglich schafft er es in 20 oder 30 Jahren sogar, ganz auf Gewalt zu verzichten. Sofortigen Gewaltverzicht zu verlangen, wäre einfach viel zu extrem, total dogmatisch und vor allem völlig unrealistisch.

“Man darf einfach nicht zu viel auf einmal verlangen. Da wird Rudi störrisch und verweigert sich total. Man muss eben dankbar für jede noch so kleine Verbesserung sein.”

Die kleine Sandra hat sich nicht dazu geäußert, sie erholt sich noch von den letzten Faustschlägen und freut sich schon einmal auf den kommenden “beat-free” Montag.

#Reducetarianism #Flexitarianism #Pescetarianism #Vegetarianism #Bullshitarianism

#NoExcuses #GetReal #BeFair #GoVegan

Englische Version:
https://oideschachdl.wordpress.com/2017/05/08/parents-overjoyed-brutal-son-goes-reducetarian/

Gedanken zum Muttertag

Es handelt sich um eine Übersetzung des Artikels a thought for mother’s day eines meiner Lieblings-Blogs “There’s an Elephant in the Room“. Jeder der Artikel ist lesens- und bedenkenswert.

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A thought for Mother’s Day

Der Muttertag naht in England (und auch Deutschland) und das ist traditionell eine Zeit, in der wir in Liebe und Dankbarkeit an unsere Mütter denken. Wenn wir selbst Mütter sind, dann ist es eine Zeit, die wir mit der Familie verbringen und das besondere Band feiern und  bekräftigen, das zwischen einer Mutter und ihrem Kind besteht, ungeachtet der Jahre, die vergangen sind, seit wir sie zum ersten Mal in unsere Arme und Herzen schlossen, und die ungeachtet ihres Alters immer unsere Kinder sein werden bis zu unserem letzten Atemzug.

Wir Mütter teilen ein einzigartiges Verstehen, wir kennen unsere dunkelsten Ängste. Wir wissen, was eine Mutter in den stillen Stunden tiefer Nacht wach hält, wenn unser verzweifeltes Bedürfnis unsere Kinder zu beschützen die Erschöpfung besiegt, genährt von den schlimmsten Befürchtungen, die wir nicht auszusprechen wagen.

Mutterschaft ist keine rein menschliche Erfahrung, wie jeder bestätigen kann, der schon einmal die zärtliche Hingabe gesehen hat, mit der alle Mütter jeder Spezies ihre Kleinkinder überschütten, die sie unter Schmerzen geboren haben und die sie nun mit atemlosen Staunen in der Welt begrüssen.

Wenn wir die Milch, die Eier, das Fleisch oder die Körperteile der Mitglieder einer anderen Spezies essen oder tragen oder für irgendeinen anderen der Vielzahl abscheulicher Zwecke verwenden, die unsere Spezies sich erdacht hat, gibt es etwas, dem wir ausweichen, das wir nicht sehen wollen. Aber heute, im wahren Geiste des Muttertags, lasst uns endlich der Wahrheit ins Gesicht sehen, damit wir beginnen können, diesem Alptraum ein Ende zu setzen.

Milk_industry_22 Commons.jpgEs ist unerheblich für welchen Zweck wir andere Individuen benutzen, jede der zugrunde liegenden Praktiken erfordert die mitleidlose Ausbeutung des mütterlichen Reproduktionsprozesses; das Entfernen, das Verletzen und das Töten ihrer Kinder. Das ist immer der Fall und egal was uns statt dessen erzählt wird, es gibt keine ‘humane’, keine ‘artgerechte’ Weise, dies zu tun. Tatsächlich tun wir anderen empfindungsfähigen Müttern das an, was wir selbst nie aushalten könnten; was uns in unseren schlimmsten Alpträumen verfolgt.

Es gibt keine Notwendigkeit für uns, das zu tun, nicht die geringste.  Wir können gut leben, und unsere Kinder können gedeihen, ohne anderen Schaden zuzufügen. Alles, was dafür nötig ist, ist sich der Mythen zu entledigen, die uns unser Leben lang eingetrichtert wurden, und mit neuen Augen und gesundem Menschenverstand hinzusehen. Und dann, wie es bereits so viele von uns getan haben, zu sagen: ‘Genug. Ich lehne es ab, meine schlimmsten Ängste irgendeiner anderen Mutter anzutun.’

Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen. Lassen wir den Muttertag einen Festtag für alle Mütter sein. Sei vegan.

An alle, die Tierausbeutung verteidigen

Wenn ich mir all die Beiträge und Kommentare durchlese, in denen unser unnötiges Verletzen und Töten von Tieren verteidigt wird, dann kann ich nicht umhin, mein früheres Selbst zu sehen. Mein früheres Selbst, das ihre moralische Bedeutung verleugnet hat, mein Rationalisieren und Rechtfertigen dessen, was ich tief in meinem Herzen für falsch hielt, aber nicht vor mir selbst zugeben konnte. Das war das eine, das einzig Schwierige daran, vegan zu werden: vor mir selbst zuzugeben, dass ich ihnen Unrecht tat, dass ich Unrecht hatte.

Die Gesellschaft von Hunden hat mir die Augen geöffnet und mich erkennen lassen, dass sie ein reiches Gefühlsleben haben und ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen, die für einen Hund oder eine Katze oder irgendein anderes Tier sorgen, das nachvollziehen können. Ihre Freude und Lebenslust scheinen grenzenlos, ihre Zuneigung für ihre Familie, ihre Freunde und sogar uns fließt ungehindert und wenn sie sich fürchten, dann sind ihre Angst und ihr Leiden bodenlos, denn sie können nicht verstehen, können nicht rationalisieren, können sich nicht wehren. Alles, was ihnen bleibt, ist darum zu betteln, nicht verletzt zu werden, nicht getötet zu werden. Sie sprechen sehr wohl zu uns, durch Augenkontakt und Körpersprache, durch ihre Schreie und ihr Gewimmer, aber wir sehen weg.

In dem Augenblick, in dem du es wagst mit offenem Geist und offenem Herzen in ihre Augen zu sehen, wirst du ohne alle Zweifel erkennen, dass eine Person dich anblickt, kein seelenloses Objekt. Und diese Person stellt dir nur eine Frage: “Wirst du mir weh tun, oder kann ich dir vertrauen?”.

Das war das Schwierigste am vegan werden. Mir selbst einzugestehen, dass ich sie verraten hatte, dass ich nicht die anständige Person war, für die ich mich hielt, dass ich andere dafür bezahlte, sie zu verletzen, sie auszubeuten und zu töten, und dies alles ohne den geringsten Grund, denn wir brauchen nichts von den Dingen, die wir von ihnen gewinnen. Wir können gesunde, glückliche Leben führen, ohne ihnen Schaden zuzufügen.

Dieser Moment der Klarheit, in dem ich die Scheuklappen abnahm und die anderen Tiere endlich wirklich wahrnahm, endlich ihr Person-Sein anerkannte, endlich begriff, dass ihre Gefühle sich von meinen nicht unterscheiden, dass ihre Interessen für sie genauso wichtig sind, wie meine für mich, dieser Moment war gleichzeitig entsetzlich schmerzhaft und überaus wunderbar . Meine Trauer über meine Komplizenschaft bei ihrer Ausbeutung war und ist noch immer tiefgreifend. Und meine Erleichterung darüber, diese Mittäterschaft beenden zu können, war und ist immer noch gewaltig.

Dieser Moment der Klarheit, als ich vegan wurde, war einer der schönsten, wenngleich schrecklichsten Momente meines Lebens, und ich bewahre ihn in meinem Herzen und werde die Scheuklappen nie wieder aufsetzen. Ich bin dankbar für all die Veganerinnen und Veganer, die vor mir den Mut hatten, aufzustehen und sich für die Belange der Tiere einzusetzen und mir damit geholfen haben, meine lebenslange Konditionierung und die grausame, gewalttätige Ideologie der menschlichen “Überlegenheit” und grenzenlosen Anspruchshaltung zu überwinden.

Hör auf, Opfer zu haben. Sei fair. Sei vegan. Du wirst es nicht bereuen.

ENG: To all the people who defend animal exploitation

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