Ich blöde, vegane Extremistin

In einer Diskussion andernorts im Internet wurde mir unter anderem vorgeworfen, dass ich

1) mir zum Thema Landwirtschaft gefälligst keine Meinung zu erlauben habe, wenn ich nicht selbst Landwirtin sei,

2) mein Engagement für Tiere ein klares Indiz dafür sei, dass mir leidende Menschen offenbar völlig egal seien,

3) ich ein Extremist sei.

Da diese Diskussion im Web-Raum eines anderen begann, beschloss ich, mich von dort zurück zu ziehen, um das Hausrecht des Eigentümers zu wahren. Wenn schon Scheiße aufgewirbelt werden muss, dann nicht im Wohnzimmer eines anderen. Außerdem gab es zu viele Vorwürfe und Unterstellungen, um sie alle in einer kurzen Notiz zu beantworten.  So entstand dieser Blog-Beitrag. Er ist meine Antwort an diese Person.

Jemandem, der sich bereits mit Tierrechten auseinandergesetzt hat, werden einige meiner Formulierungen bekannt vorkommen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ich schätze Gary L. Francione, renommierter Professor für Jura an der Rutgers Universität in Newark, Tierrechtler und seit mehr als 30 Jahren Veganer, sehr. Ich mag seine unsentimentale, schnörkellose und klare Rhetorik außerordentlich. Buchempfehlung und Homepage: Abolitionist Approach: Eat Like You Care

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Zum mehrfach wiederholten Vorwurf, mir seien misshandelte Kinder, obdachlose Menschen (wohlgemerkt natürlich nur die “unverschuldet” in Not geratenen) und andere leidende Menschen völlig egal:

Man folgert so: Da ich mich für Tiere einsetze, müssen mir “logischerweise” Menschen völlig egal sein. Aber ich darf Ihnen etwas ganz Erstaunliches verraten: Engagement für das eine schließt nicht automatisch Engagement für anderes aus. Wenn ich allerdings Menschen unterstütze, werde ich niemals deswegen angegriffen oder beleidigt. Deshalb muss ich in diesem Bereich auch weder aufklären, noch dafür werben. Es gibt nämlich bereits sehr viel Unterstützung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass, solange wir uns Grausamkeiten anderen Lebewesen gegenüber erlauben, wir auch Grausamkeiten untereinander dulden. Die Rücksichtslosigkeit, mit der wir andere Lebewesen behandeln, überträgt sich auch auf unser Verhalten gegenüber Mitmenschen. Solange wir andere Lebewesen als weniger wichtig, weniger wertvoll erachten, solange werden wir auch andere Menschen in wichtige und unwichtige einteilen und dementsprechend behandeln. Die komplette Ablehnung jedweder Grausamkeiten, unabhängig von der Spezies, ist somit meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für die Schaffung einer friedlicheren Welt. Mit dem Veganismus kann man also das Übel an der Wurzel packen.

Ich bin keine Landwirtin und muss es auch nicht sein, um erkennen zu können, dass dort einiges falsch läuft. Aber ich kann lesen und habe somit die Möglichkeit, mich kundig zu machen. Es gibt die biologisch-vegane Landwirtschaft und sie funktioniert. In vielen Fällen sogar besser als die konventionelle Landwirtschaft.  http://biovegan.org/

Ein schönes Beispiel, dass Umdenken zu erstaunlichen Erfolgen führen kann, gab es in diesem Frühjahr, als es Bauern in Indien gelang, durch ökologische Landwirtschaft Rekordernten zu erzielen:
http://www.gute-nachrichten.com.de/2013/02/erfolgsgeschichten/biologischer-anbau-fuehrt-zu-rekord-ernte/
Hier ein detaillierter Artikel, allerdings auf Englisch:
http://www.theguardian.com/global-development/2013/feb/16/india-rice-farmers-revolution

Sie fragten, wo denn der Dünger für die Felder herkommen soll, wenn nicht von Tieren?

Es gibt andere Arten, Felder fruchtbar zu machen. Dazu gehören intelligent geplante Fruchtwechsel, Permakultur, kluger Anbau (z.B. 3 Schwestern), Einsatz von Leguminosen (nicht nur zum Unterpflügen, sondern durchaus auch zur Nahrungsmittel-Herstellung, googeln Sie ruhig mal nach Süß-Lupinen), um nur ein paar Alternativen zu nennen. Es gibt Hunderte Webseiten, Schulungs-Videos und Bücher, um sich detailliert zu informieren (s.o.). Wer nach Möglichkeiten sucht, wird welche finden, alle anderen finden Ausreden.

Ich frage mich aber, wieso das Ausbeuten und Töten von Tieren geeignet sein soll, ausreichend Dünger zu gewährleisten. Als ich das letzte Mal nachsah, mussten Tiere am Leben sein, um zu kacken. Wenn es wirklich um Dünger ginge, wäre es völlig ausreichend, nur die paar zu haben, die die nötige Menge produzieren. Diese bräuchte man weder gnadenlos auszubeuten noch zu töten, um an den Dünger zu kommen. Ganz im Gegenteil würde es sogar eher Sinn machen, diese so lang wie möglich liebevoll zu hegen und zu pflegen, also bis zu ihrem natürlichen Ende durch Altersschwäche.

Unser Problem ist auch nicht zu wenig Dünger, sondern zu viel. Die aberwitzigen Mengen an Gülle, die in der Tierhaltung produziert werden, vergiften schon längst Böden und Grundwasser.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/2226527/

Und Sie wollen mir doch wohl nicht ernsthaft weismachen, dass Sie beim Konsum von Tierprodukten daran denken, wie gut es ist, dass Sie nun einem Bauern zu genügend Dünger für seine Felder verholfen haben?

Zum Thema Tiernahrung:

Soweit ich weiß, werden keine Tiere ausschließlich für die Herstellung von Tierfutter getötet. Im Tierfutter landen die ansonsten unverkäuflichen Reste. Hunde- und Katzenfutter sind nur eine Möglichkeit für die Fleischproduzenten, auch noch die Abfälle zu vergolden. Tierfutter ist ein Nebenprodukt der Fleischproduktion für Menschen. Solange es nicht-vegane Menschen gibt, wird es auch dieses Nebenprodukt geben.

Sollte die Menschheit tatsächlich morgen plötzlich vegan werden, dann ist es beruhigend zu wissen, dass es möglich ist, Hunde und Katzen vegan zu ernähren. Tatsächlich bessern sich bei vielen dadurch etwaige vorhandene gesundheitliche Probleme, ganz ähnlich wie bei Menschen. Auch hierzu gibt es eine Menge Informationen.
http://www.vgt.ch/vn/0901/vegane-hunde.htm
Der englische Border Collie Bramble wurde vegan ernährt und erstaunliche 27 Jahre alt.
http://www.care2.com/greenliving/vegetarian-dog-lives-to-189-years.html
Hier noch eine Liste von Dr. Henrich, der dankenswerterweise eine sehr umfangreiche Sammlung zusammengestellt hat:
http://www.provegan.info/de/infothek/kategorie/vegane-haustierernaehrung/

Dass die Ernährung von Hunden und Katzen zu einem echten Dilemma werden kann, steht außer Frage. Wieso aber diskutieren über die Ernährung von Tieren, wenn es zunächst einmal um die Ernährung von Menschen ging? Wir töten all diese Tiere schließlich für unseren Appetit. Womit wir beim nächsten Ablenkungsmanöver sind:

“Sollen etwa Löwen zu Vegetariern gemacht werden?”

Sind Sie ein Löwe? Ich vielleicht? Nein? Was gehen uns dann im Kontext des menschlichen Tierkonsums die Löwen und andere fleischfressende Wildtiere an?

“Wenn der das macht, dann darf ich aber auch!” – Das ist doch ein Einwurf auf Kindergarten-Niveau. Also ehrlich.

Es gibt Länder, da ist es legal und durchaus üblich, kleine Mädchen durch Zwangs-Hochzeit an ihre erwachsenen “Ehemänner” auszuliefern. Sollen wir das vielleicht hier auch einführen, nur weil es woanders getan wird? Es gäbe sicher welche, die das befürworten würden. Ich denke, wir stimmen darin überein, dass Zwangsheirat, und ganz besonders die von Kindern, als moralisch überaus verwerflich zu erachten ist. Was antworten Sie also jemanden, der nun sagt: “Wenn das woanders legal ist, dann will ich das bei uns auch!”

Davon abgesehen, haben Tiere im Gegensatz zu uns Menschen nicht so viele Wahlmöglichkeiten. Wenn ein Löwe nicht jagt, muss er verhungern. Wenn ein Mensch sich nur von Pflanzenprodukten ernährt, hat er sogar eine gute Chance auf ein längeres Leben bei besserer Gesundheit. Verhungern muss er jedenfalls nicht. Wir haben die Wahl. Wir können zwar Fleisch und Milchprodukte essen, müssen es aber nicht.

Darüber hinaus erfüllen die fleischfressenden Tiere in freier Wildbahn eine wichtige Aufgabe im ökologischen Gleichgewicht und sie sind bisher nicht dazu übergegangen, ihre Beutetiere in großem Stil gewaltsam zu vermehren, unter fürchterlichsten Bedingungen an der Grenze zum Tod dahinvegetieren zu lassen und rücksichtslos auszubeuten, bevor sie sie töten. Ganz im Gegensatz zu uns Menschen, denn unser maßloser Tierkonsum bringt inzwischen den gesamten Planeten aus dem Gleichgewicht. Wir zerstören ganze Ökosysteme, nur um genügend Fleisch und Milchprodukte herzustellen. Das ist reiner Wahnsinn und durch nichts zu rechtfertigen. “Es schmeckt halt” ist kein guter Grund, um sich die eigene Lebensgrundlage zu vernichten.

Haben Sie sich eigentlich jemals bewusst gemacht, wie viel pflanzliche Nahrung und Wasser benötigt wird, um Fleisch und Milchprodukte zu erzeugen? Die Tiere leben ja nicht von Luft und Liebe. Sie verbrauchen gewaltige Mengen an Land, Wasser und Futtermitteln. Wir könnten den weltweiten Wasserverbrauch drastisch senken, die Grundwasser-Reservoire könnten sich erholen, wir könnten die landwirtschaftlichen Anbauflächen massiv verringern, die Regenwälder wieder aufforsten, natürliche Habitate wiederherstellen, um die Artenvielfalt zu gewährleisten, und trotzdem alle Menschen satt machen, wenn wir nur aufhören würden, statt dessen gequälte Kreaturen zu mästen.

http://www.pro-regenwald.org/hg_fleisch

Jedes Jahr verhungern 6 Millionen Kinder. Der Raubbau an Flächen für Tierweiden und Kraftfutter-Monokulturen zerstört die Böden, die Ökosysteme und entreißt somit ihren Eltern, manchmal ganzen Nationen, die Lebensgrundlage. Riesige Landstriche versteppen, werden nach und nach zu Wüsten, der fruchtbare Boden erodiert und es wird Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern, bis sich diese wieder regeneriert haben. Kleinbauern werden von ihren Feldern vertrieben, oft unter massiver Gewalt, Mord und Vergewaltigung inklusive, um Platz zu schaffen für die Agrar-Riesen.

Ich finde es pervers, hier leidende Kreaturen zu mästen und dort leidende Menschen verhungern zu lassen. Die armen Tiere wären besser nie gewaltsam (Stichwort: rape rack) in diese Welt gezwungen worden. Und wenn es sie nicht gäbe, dann wäre genug für alle Menschen da.

http://www.tierrechte.de/themen/ernaehrung/essen-wir-die-welt-kaputt
http://land-grabbing.de/triebkraefte/futtermittel/fallbeispiel-sojaproduktion-in-lateinamerika/
http://r1.ufrrj.br/geac/portal/wp-content/uploads/2012/11/BORRAS-et-al-Land-grabbing-in-Latin-America-2012.pdf

Meiner Meinung nach ist der Konsum von Tierprodukten genauso Tierquälerei wie die Veranstaltung von Hunde-, Hahnen- oder Stierkämpfen beispielsweise. Der eine sagt “es schmeckt”, der andere sagt “es macht Spaß” oder nennt es “Kultur”. Keiner dieser Gründe kann Grund genug sein, andere Lebewesen zu quälen und zu töten. Nichts davon ist unabdingbar für unser Überleben und Wohlbefinden. Es gibt keinen qualitativen Unterschied zwischen denjenigen, die sich blutgierig und sensationsgeil um einen Hundekampfring versammeln, und denen, die lachend um einen Grill voller Leichenteile anderer gequälter Tiere herumsitzen. Es gibt nur einen quantitativen Unterschied: Für die fröhlichen Runden am Grill werden ungleich mehr Tiere geschunden und getötet. Das eine wie das andere ist Tierquälerei. Und es wird Zeit, das auch endlich klar und deutlich beim Namen zu nennen.

Wussten Sie schon, dass mehr als die Hälfte der klimaschädlichen Gase in der Tierhaltung entstehen?
Laut eines Reports der Vereinten Nationen ist “die Fleischindustrie einer der größten Verursacher der heutigen Umweltprobleme” (Dr. Henning Steinfeld, U.N. Food and Agriculture Organization).
Kurzfassung: http://en.wikipedia.org/wiki/Livestock’s_Long_Shadow
Originalbericht: ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/a0701e/a0701e00.pdf

Durch eine simple Ernährungsumstellung könnten wir auf schnelle und wirksame Weise der Klimaerwärmung und den meisten anderen ökologischen und sozialen Problemen sehr wirksam gegensteuern. Viel schneller und viel einfacher als alles andere Flickwerk (“Energiesparlampen”), das zur Zeit propagiert wird. Es wäre so einfach! Nur ein paar neue Rezepte lernen. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Ich versuche ja, geduldig zu sein, aber manchmal platzt mir der Kragen angesichts des grassierenden Egoismus, der allgemeinen Apathie und Uneinsichtigkeit. Und das, obwohl die Meisten tief in ihrem Inneren zustimmen. Fast alle finden es furchtbar, wenn Tiere grundlos gequält werden und dennoch kämpfen sie verbissen darum, auch weiterhin in totalem Widerspruch zu ihren eigenen Wertvorstellungen zu leben. Ich nenne das schizophren.

Wir sind zu so viel Gutem fähig! Warum nur beharren wir mit einer solchen Inbrunst darauf, weiterhin etwas zu tun, das wir nach unserer eigenen Werteskala verabscheuen?

Viele bezeichnen sich selbst nicht nur als tierlieb, sondern nennen sich sogar Tierschützer, finden aber nichts dabei, Nahrungsmittel zu „genießen“ die von gequälten, maximal ausgebeuteten Geschöpfen stammen. Da kann man nur inständig hoffen, niemals unter dem „Schutz“ von Menschen zu stehen, die ein solches Verständnis von Liebe und Schutz haben.

Ich mag auch nicht länger schweigen zu dieser ewigen Selbstbeschwichtigung, die da lautet: “Ich esse nur Bio-Fleisch, vom Bauern nebenan. Da weiß ich, dass es den Tieren gut geht.” Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass gerade die “Bio”-Fleisch-Esser einmal in sich gehen und hinterfragen, was sie da eigentlich reden.

Es ist ein alter Spruch, aber trotzdem wahr: Es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren, nur von toten Tieren.

Sie alle haben die fürchterlichste Angst durchmachen müssen – Todesangst. Oft wurden sie vorher viele Stunden in überfüllten Transporten ohne Wasser oder Futter durch die Welt gekarrt. Im Winter bei bitterer Kälte, im Sommer unter sengender Hitze. Sie alle sterben jung, sehr jung. Sie erreichen höchstens einen Bruchteil ihres normalen Lebensalters. Manche kommen nicht einmal aus dem Babyalter heraus. Man kann uns mit Recht Kindermörder nennen, denn selbst Milchkühe, die wegen Nachlassen der Milchleistung zum Dank in den Schlachthof gebracht werden, sind immer noch Jugendliche gemessen an dem Alter, das sie erreichen könnten.

Wie groß die Todesangst ist, können Sie sich hier ansehen. Keine Sorge, Ihr vor lauter Tierliebe sicherlich sehr empfindsames Gemüt wird weder mit Gewalt noch mit Blut konfrontiert. Nur mit dreieinhalb Minuten nackter Angst:

http://www.youtube.com/watch?v=LUkHkyy4uqw

Und wenn die “Betäubung” nicht funktioniert, dann müssen sie ihre Weiterverarbeitung bei vollem Bewusstsein erleben. Das passiert auch “Bio”-Tieren, denn letzlich landen sie alle in denselben Schlachthöfen. Man schätzt, dass etwa 10% dieses Schicksal erleiden, aber die Dunkelziffer dürfte bei 20% liegen. Ich habe auf einer Veranstaltung ein Video aus einem deutschen Schlachthaus gesehen, da hat bei 6 von 30 Kühen die Betäubung versagt. Das gellende Schmerzens-Gebrüll der hilflosen Tiere wird mir für immer in den Ohren klingen.

Das sind keine “bedauerlichen Einzelfälle”, das ist der ganz alltägliche Wahnsinn in den Schlachthäusern und dass es überall auf der Welt so zugeht, zeigt dieser Bericht aus einem amerikanischen Schlachthof mit dem Titel “Sie sterben Stück für Stück”.
https://www.uta.edu/philosophy/faculty/burgess-jackson/Warrick,%20They%20Die%20Piece%20by%20Piece%20(2001).pdf

Dass all diese “Bio”-Siegel nichts weiter als Feigenblätter sind, hat dieses Jahr der Deutsche Tierschutzbund bewiesen, als er sich nicht schämte, ein neues Tier”wohl”-Siegel herauszugeben und damit ausgerechnet einem für seine brutale Tierhaltung nachgewiesen tierquälerischen Betrieb wie Wiesenhof eine weiße Weste zu verschaffen. Auch einige Schweinemäster wurden ausgezeichnet. Bei zumindest einem von ihnen ergab eine Undercover-Recherche, dass die Schweine genau wie in der “konventionellen” Haltung auf Spaltenboden in ihrem eigenen Dreck bei Dunkelheit dahinvegetieren müssen. Ich nehme an, dass das kein Anlass für den Tierschutzbund ist, diesem Betrieb das Siegel zu entziehen. Sehr wahrscheinlich wird man wieder einmal “prüfen”. Irgendwann in den nächsten Jahren. Selbstverständlich angemeldet. Wie immer eben. Wie es bis dahin den Tieren wirklich ergeht, darüber brauchen wir uns doch nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Schließlich wurde uns ja versichert, dass man sich kümmern werde.

http://www.mdr.de/nachrichten/tierschutzsiegel100.html
http://www.die-tierfreunde.de/aktivitaeten/545-tierwohllabel-januar-2013.html

Wenn es um Tiere geht, gibt es in Wahrheit kein “Bio” und keine “Humanität”. Das ist nichts weiter als wohlfeile Lüge, um den Verbrauchern wider besseres Wissen ein gutes Gewissen zu ermöglichen. Und, ja, ich bin dieser Lüge selbst auch viel zu lange und viel zu bereitwillig aufgesessen. Und es war bitter, sehr bitter, die rote Pille zu schlucken. Ich bin auch schuldig an diesem entsetzlichen Elend. Schuldig für immer, weil ich so viele Jahre nicht nachgefragt habe, viel zu viele Jahre nicht nachgeforscht habe, weil ich weggeschaut habe, weil es bequemer für mich war. Aber als ich das einmal erkannt hatte, war es nur logisch, die Konsequenzen zu ziehen und es war und ist viel leichter als gedacht.

Zu guter Letzt noch ein kleines Gedanken-Experiment zum Extremismus-Vorwurf:

Mal angenommen, ich setzte mich für politisch Gefangene ein, die in versteckten Hochsicherheitstrakten gefoltert und letztlich ermordet werden. Aber anstatt mich voll und ganz für deren sofortige Freilassung und die komplette Abschaffung dieses Foltersystems einzusetzen, kämpfe ich um Folgendes:

1) Statt der neunschwänzigen Peitsche soll künftig nur noch die siebenschwänzige eingesetzt werden. Damit kann eine “deutliche Verbesserung” für die Gefangenen erreicht werden.

2) Die Bretter, die beim Waterboarding eingesetzt werden, sollen doch bitte künftig gepolstert sein, damit die Armen bei der Wasserfolter nicht auch noch so viele blaue Flecken davon tragen.

3) Statt 90% Schlafentzug nur noch 80% Schlafentzug.

4) Statt einer 2x2m Zelle eine 2×2,5m Zelle.

5) Vor dem Exekutieren sollen die Gefangenen doch bitte “human” betäubt werden, z.B. durch Elektroschocks oder Gas.

6) Einführung dieser Verbesserungen schrittweise im Verlauf der nächsten 10 Jahre.

Wenn ich solcherart für die Rechte der Inhaftierten kämpfen würde, dann würde sich doch jeder an die Stirn greifen und sich fragen, ob ich noch ganz bei Trost sei. Aber wenn es um Tiere geht, die uns völlig hilflos und wehrlos ausgeliefert sind, da finden wir plötzlich Abstufungen von mehr oder weniger Grausamkeit diskutabel? Warum eigentlich? Mit welcher Rechtfertigung?

Es gibt Situationen, da muss man klar Stellung beziehen. Es gibt Themen, da kann ich mich nicht “mäßigen” und will es auch nicht, weil man manches einfach nicht tolerieren darf. Um nur einige zu nennen: Der Holocaust an den jüdischen Mitbürgern im Dritten Reich, Gewalt an Kindern, Sklaverei, Vergewaltigung, Folter, Mord.

Niemand käme auf die Idee, mich als Extremisten zu bezeichnen, weil ich dies alles kategorisch ablehne. Ganz im Gegenteil: Würde ich mich für eine gesetzliche Regulierung des Sex-Trafficking einsetzen statt für die unerbittliche Verfolgung dieser Menschenhändler-Mafia, oder für “weniger schlimme” Formen der Kinderbelästigung, weil dies sicherlich leichter durchzusetzen ist, als völlige Abstinenz, dann würde man mich für geistesgestört halten. Aber wenn es um Tiere geht, die Hilflosesten der Hilflosen, dann ist es plötzlich in Ordnung, faule Kompromisse einzugehen?

Warum ich mich besonders für Tiere einsetze? Sie sind die einzigen Opfer, die nicht für sich selber sprechen können. Menschliche Opfer von Vergewaltigung, Folter, Diskriminierung können sich für sich selbst einsetzen. Sie können uns ihre Situation schildern. Sie und ihre Verwandten und Freunde können für sich und andere kämpfen. Nicht so die Tiere. Wenn wir nicht für sie sprechen, tut es niemand. Sie sind die Hilflosesten von allen und deshalb verdienen sie unsere größte Aufmerksamkeit und brauchen unseren Schutz am meisten.

Wer wirklich etwas für Tiere übrig hat, der hört auf die Stimme seines Herzens, der folgt seinem eigenen Wertesystem und sagt Nein! zu dieser legalisierten Tierquälerei.

Im Grunde ist es ganz einfach: Lebe vegan und sei endlich im Einklang mit Dir selbst, Deinen eigenen Werten und Deinen eigenen Überzeugungen.

Dr. Henrich von ProVegan hilft dabei. Man kann sich für ein kostenloses 30-Tage-Programm anmelden. Dann bekommt man für 4 Wochen Rezeptvorschläge von kinderleicht und schnell bis aufwändig und raffiniert. Es ist so viel einfacher, als man denkt!

http://www.vegangesund.info/index.php?id=252&L=0

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PS: Wer Rechtschreib-, Grammatik- oder Interpunktionsfehler findet, darf sie gerne behalten. Ich habe sie selbstverständlich mit Absicht eingebaut, damit auch Fehlerfinder hier ein Erfolgserlebnis haben. Alle anderen dürfen sich gerne auf den Inhalt statt auf die Form konzentrieren.

PPS: Und nun warte ich geduldig auf die restlichen Einwände, die so sicher folgen werden wie das Amen in der Kirche. Hier die übliche Auswahl:

Aber die armen Pflanzen haben doch auch Gefühle!

Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, bedarf es eines Vielfachen an Pflanzen. Weniger Tierleid entspricht also automatisch auch weniger Pflanzenleid. Außerdem haben Pflanzen kein zentrales Nervensystem und ein Schmerzempfinden wäre für ihr Überleben nicht nützlich, da sie keine Möglichkeit haben, sich dem Schmerzauslöser zu entziehen. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass Evolution ihnen ein Schmerzempfinden beschert hat. Fakt ist, wir wissen es nicht genau. Bei Tieren hingegen sind wir sicher, dass sie sowohl Gefühle haben, als auch Schmerz empfinden können. Also sollten wir uns zunächst einmal um die kümmern, bei denen sicher feststeht, dass ihnen geholfen werden muss.

Wie ist es eigentlich möglich, dass sich jemand, der gebeten wird, auf die Empfindungen von Tieren Rücksicht zu nehmen, plötzlich genötigt fühlt, sich Sorgen um die möglicherweise vorhandenen Gefühle von Pflanzen zu machen? Welche Art von Verleugnungs- und Verdrängungsmechanismus wird da in Kraft gesetzt?

Meine Informationen sind einseitig.

Mag sein, aber sie sind logisch und machen Sinn, nicht wahr? Man kann sich das alles auch schön reden, aber man muss kein Adam Riese sein, um sich auszurechnen, dass das Züchten und Töten von über 60 Milliarden Tieren jährlich (Fische und sogenannte Meeresfrüchte nicht eingerechnet) einfach nicht ohne schwerwiegende ökologische Folgen sein kann.

Aber wenn wir keine Nutztiere mehr züchten, dann sterben sie doch aus!

Ja, umso besser. Die meisten sind sowieso Qualzüchtungen, ausgelegt auf maximale Leistung in kürzester Zeit. Sie müssen nicht gesund sein, sie müssen nur solange überleben, bis sie “schlachtreif” sind. Wenn sie überhaupt so lange durchhalten, dann leiden sie schon nach wenigen Jahren unter chronischen Krankheiten. Die Welt braucht sowas nicht, für die Artenvielfalt ist das auch kein Gewinn und die betroffenen Individuen brauchen genetisch vorprogrammierte Handicaps am allerwenigsten. Es gibt ein paar wenige Rassen, die wären robust genug für eine Auswilderung. Denen sollten wir ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit ermöglichen. Alle anderen Nutztierrassen dürfen meinethalben gerne verschwinden. Wenn wir weniger Tiere “verbrauchen” kann Ackerland wieder frei gemacht werden, um mehr Habitate für die Wildformen der domestizierten Tiere zu schaffen. Das wäre erstrebenswert.

Das ganze geht natürlich auch im Rückwärtsgang:
Aber wenn wir die Nutztiere nicht mehr töten, dann vermehren sie sich unkontrolliert und überrennen die Menschheit.

Wohl eher nicht. Die allermeisten der Nutztiere vermehren sich nicht freiwillig, sondern werden zwangsbefruchtet. Wir sind die unkontrollierten Vermehrer, nicht die Tiere. Wenn wir damit aufhörten, wäre der Spuk in etwa 30 Jahren vorbei.

Aber wenn morgen alle zu Veganern würden, wohin dann mit all den Tieren?

Würde es nicht der Anstand gebieten, denjenigen die jetzt noch leben, ein Leben bis an ihr natürliches Ende in Friede und Würde zu ermöglichen? Wir haben so viel Leid über sie gebracht, so viele Milliarden gequält und ermordet – es wäre das Geringste an Wiedergutmachung, das Wenigste was wir tun könnten.

Aber das wird ja nicht geschehen. Wir können nur hoffen, dass immer mehr und mehr Menschen sich dazu durchringen, in Einklang mit ihrer eigenen Überzeugung zu leben und Tierprodukte zu meiden. Dann wird die Nachfrage allmählich sinken, die Fleisch- und Milchprodukte-Herstellung wird immer unrentabler, es werden weniger und weniger Tiere nachgezüchtet und irgendwann ist es ganz vorbei. Das ist das weitaus realistischere Szenario.

Was ist mit den Arbeitsplätzen, die verloren gehen?

In der Geschichte der Menschheit sind immer schon Arbeitsplätze verloren gegangen, wenn die Entwicklung fortschritt. Die Branchen müssen sich anpassen und tun es im Allgemeinen auch.  Oder kaufen Sie etwa immer noch 36er Filmdosen, obwohl sie längst eine Digitalkamera haben, nur um diese Industrie zu unterstützen? Kaufen Sie immer noch regelmäßig Farbbänder für Typenschreibmaschinen oder Musik-Kassetten, um die Arbeitsplätze dieser Hersteller zu erhalten?

Wenn weniger Tierprodukte konsumiert werden, muss statt dessen Pflanzennahrung bereit gestellt werden. Wo die eine Sorte Arbeitsplätze weg fällt, entstehen oft neue, andere Arbeitsplätze. Man darf auch nicht vergessen, dass in den Schlachthöfen meist Billiglöhner aus den Ostblockländern ausgebeutet werden. Menschen, die in einer Notsituation sind, müssen für uns die Drecksarbeit erledigen. Viele leiden unter Depressionen, weil sie es nicht wirklich verkraften oder seelisch verarbeiten können. Andere tun es, weil sie elende Sadisten sind und sich am Leid der Tiere ergötzen. Erstere müssen befreit werden aus dieser fürchterlichen Lebenssituation, die anderen gehören in die geschlossene Anstalt.

Wenn Du vor der Wahl stündest, entweder einen Hund oder ein Kind aus einem brennenden Haus zu retten, wen würdest du wählen?

Diese Frage kann natürlich nur falsch beantwortet werden. Sie ist das übliche Extremsituations-Szenario, um Widersprüche zu provozieren. Diese sollen dann dazu dienen, durch Diskreditierung des Antwortenden auch alles andere, was er bis dahin sagte, zu disqualifizieren.

Antwort: Ich weiß es nicht. Wie ich mich verhalten würde, hinge wohl von der jeweiligen Situation hab. Ich kann nur hoffen, die richtige Entscheidung zu treffen. Kann nur hoffen, überhaupt den Mut aufzubringen, mich in Gefahr zu bringen, um einen anderen zu retten.

Aber lassen Sie uns doch einmal den Spieß umdrehen:

Was würden Sie wohl tun, wenn Sie vor der Wahl stünden, aus einem brennenden Haus entweder Ihr eigenes Kind zu retten oder das Ihrer Nachbarn? Und wenn Sie sich für Ihr eigenes Kind entscheiden, was durchaus verständlich wäre, dürfte man dann daraus folgern, dass die Kinder Ihrer Nachbarn weniger wert sind und daher beliebig geschlagen und gar getötet werden dürfen, wenn uns danach ist? Eine absurde Vorstellung. Und doch wenden wir solches Denken auf Tiere an.

Aber Tierversuche sind doch wohl notwendig?

Eben nicht. Wenn die Tiere uns so ähnlich sind, dann haben sie ein Recht auf ihr eigenes Leben, genau wie wir, und wir haben nicht das Recht, sie in Versuchslaboren zu quälen, genauso wenig wie wir solche Versuche an Menschen durchführen würden. Sind sie uns aber unähnlich, dann sind die Versuche sowieso sinnlos, also unnötig, da nicht auf uns übertragbar.

Die Tragik liegt darin, dass beides zutrifft. Sie sind uns einerseits so ähnlich, dass ihnen ein Recht auf ihr Leben zusteht, andererseits wieder so unähnlich, dass die Versuche keine Rückschlüsse auf die Anwendbarkeit für den Menschen zulassen. Contergan ist das wohl bekannteste Beispiel. Wer mehr Information braucht, kann welche bei den Ärzten gegen Tierversuche finden:

http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/

Ich bin doch auch nur ein Tierquäler, weil ich mir jeden Tag die Zähne putze und dadurch Millionen unschuldiger, einzelliger Bakterien töte.

Nicht lachen. Das ist mir tatsächlich schon vorgeworfen worden.

Ja, es stimmt. 100% tierleidfrei zu leben ist sehr wahrscheinlich nicht möglich. Nicht in einer Gesellschaft wie der unseren, in der die Tierausbeutung auf allen Ebenen derart selbstverständlich und institutionalisiert ist. Aber das wird mich nicht daran hindern weiterhin zu versuchen, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen. Etwas gar nicht zu versuchen, nur weil Perfektion nicht möglich ist, ist nicht nur dumm sondern außerdem eine ziemlich fadenscheinige Ausflucht.

Überraschung! Ich bin nicht perfekt. Ehrlich? Na sowas! Wer hätte das wohl gedacht? Ich verlange aber auch keine Perfektion von anderen. Alles was ich mir wünsche, ist ein kurzes Innehalten, ein wenig Nachdenken, ein bisschen guter Wille.

Als mir klar wurde, welche Entsetzlichkeiten ich mit meinem Konsumverhalten unterstütze, war die Konsequenz völlig klar und der Schritt zum Veganismus einfach und folgerichtig. Ich wurde von einem Tag auf den anderen vegan. Ja, das geht. Seit dreieinhalb Jahren ernähre ich mich nun völlig vegan. Noch habe ich nicht alle Lebensbereiche veganisiert, aber ich arbeite daran. Dessen ungeachtet ist es ein ziemlich schwacher Vorwand, die mangelnde Perfektion eines anderen als Rechtfertigung für die eigene Untätigkeit ins Feld zu führen.

Ich bin doch eh nur ein Gutmensch und hoffnungsloser Weltverbesserer.

Danke, das ist doch mal ein schönes Kompliment! 🙂

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One thought on “Ich blöde, vegane Extremistin

  1. Der Troll hat seine “Antwort” lieber auf Facebook gegeben, darum kopiere ich sie selbst hierher und meine Antwort auch gleich dazu.

    *****************************************************
    Nachtrag : 1) mir zum Thema Landwirtschaft gefälligst keine Meinung zu erlauben habe, wenn ich nicht selbst Landwirtin sei,

    2) mein Engagement für Tiere ein klares Indiz dafür sei, dass mir leidende Menschen offenbar völlig egal seien,

    3) ich ein Extremist sei. an dieser Aufzählung sieht man ganz eindeutig , das sie nichts verstanden haben und selbst fragen umdrehen so das sie als Armes unverstandesnes Opfer da stehen , im übrigen es heisst DER Blog es ist sehr schade , das sie sich hinter Propaganda anderer Verstecken müßen und nicht eine eigen Meinung zu stande bringen und eine offene freie diskusion schaffen , wer wen angrei´ft blebit noch offen , ich als bekennender Fleisch esser ( allein die tatsache ) hatte noch nie einen nicht Fleisch esser beleidigt oder gar beschipmpft , daran sieht man aber welche negative energie sie an den tag legen und das auch gegenüber allen die NICHT ihrer Meinung sind . beantworten sie doch einfach mal die fragen , die ich iohnen gestellt hatte , und zwar offen und ehrlich , oder haben sie shon die neue lebensform erreicht ? die bessere und einzige , ich lach einfach nur noch sorry aber so verblebndet wie sie habe ich zuletzt einen von den ZJH gesehen , nur nach reden was andere reden aber keine klare meinung sher schade wie verbelndet sie wirklich sind , daher sehe ich auch das eine Diskusion und gespräch in IHrem fall absolut nutzlos ist da sie es sowieso nicht verstehen , viel erfolg noch im weiteren leben ,
    *****************************************************
    Das, was Sie “keine Meinung haben” nennen, Herr (Name), heißt “sich informieren und dann eine eigene Meinung bilden”. Ich bin sicher, wenn ich keine Quellen anführen würde, dann würden Sie mir genau dies als Mangel vorwerfen. Ihnen auch alles Gute.

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