An alle, die Tierausbeutung verteidigen

Wenn ich mir all die Beiträge und Kommentare durchlese, in denen unser unnötiges Verletzen und Töten von Tieren verteidigt wird, dann kann ich nicht umhin, mein früheres Selbst zu sehen. Mein früheres Selbst, das ihre moralische Bedeutung verleugnet hat, mein Rationalisieren und Rechtfertigen dessen, was ich tief in meinem Herzen für falsch hielt, aber nicht vor mir selbst zugeben konnte. Das war das eine, das einzig Schwierige daran, vegan zu werden: vor mir selbst zuzugeben, dass ich ihnen Unrecht tat, dass ich Unrecht hatte.

Die Gesellschaft von Hunden hat mir die Augen geöffnet und mich erkennen lassen, dass sie ein reiches Gefühlsleben haben und ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen, die für einen Hund oder eine Katze oder irgendein anderes Tier sorgen, das nachvollziehen können. Ihre Freude und Lebenslust scheinen grenzenlos, ihre Zuneigung für ihre Familie, ihre Freunde und sogar uns fließt ungehindert und wenn sie sich fürchten, dann sind ihre Angst und ihr Leiden bodenlos, denn sie können nicht verstehen, können nicht rationalisieren, können sich nicht wehren. Alles, was ihnen bleibt, ist darum zu betteln, nicht verletzt zu werden, nicht getötet zu werden. Sie sprechen sehr wohl zu uns, durch Augenkontakt und Körpersprache, durch ihre Schreie und ihr Gewimmer, aber wir sehen weg.

In dem Augenblick, in dem du es wagst mit offenem Geist und offenem Herzen in ihre Augen zu sehen, wirst du ohne alle Zweifel erkennen, dass eine Person dich anblickt, kein seelenloses Objekt. Und diese Person stellt dir nur eine Frage: “Wirst du mir weh tun, oder kann ich dir vertrauen?”.

Das war das Schwierigste am vegan werden. Mir selbst einzugestehen, dass ich sie verraten hatte, dass ich nicht die anständige Person war, für die ich mich hielt, dass ich andere dafür bezahlte, sie zu verletzen, sie auszubeuten und zu töten, und dies alles ohne den geringsten Grund, denn wir brauchen nichts von den Dingen, die wir von ihnen gewinnen. Wir können gesunde, glückliche Leben führen, ohne ihnen Schaden zuzufügen.

Dieser Moment der Klarheit, in dem ich die Scheuklappen abnahm und die anderen Tiere endlich wirklich wahrnahm, endlich ihr Person-Sein anerkannte, endlich begriff, dass ihre Gefühle sich von meinen nicht unterscheiden, dass ihre Interessen für sie genauso wichtig sind, wie meine für mich, dieser Moment war gleichzeitig entsetzlich schmerzhaft und überaus wunderbar . Meine Trauer über meine Komplizenschaft bei ihrer Ausbeutung war und ist noch immer tiefgreifend. Und meine Erleichterung darüber, diese Mittäterschaft beenden zu können, war und ist immer noch gewaltig.

Dieser Moment der Klarheit, als ich vegan wurde, war einer der schönsten, wenngleich schrecklichsten Momente meines Lebens, und ich bewahre ihn in meinem Herzen und werde die Scheuklappen nie wieder aufsetzen. Ich bin dankbar für all die Veganerinnen und Veganer, die vor mir den Mut hatten, aufzustehen und sich für die Belange der Tiere einzusetzen und mir damit geholfen haben, meine lebenslange Konditionierung und die grausame, gewalttätige Ideologie der menschlichen “Überlegenheit” und grenzenlosen Anspruchshaltung zu überwinden.

Hör auf, Opfer zu haben. Sei fair. Sei vegan. Du wirst es nicht bereuen.

ENG: To all the people who defend animal exploitation

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Kulleraugen

Der NDR titelt “Kulleraugen im Kuhstall” und berichtet über Drillingskälbchen im Wendland. Mit einem sooo niedlichen Foto von den sooooo süßen Kälbchen.

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Mooooiiiii, so niedlich. Aber leider sehr wahrscheinlich unfruchtbar, da Mehrlinge, und das bedeutet: ab in den Schlachthof, sobald es die Gesetzeslage zulässt. Dort sind sie dann bald niedliches Billigfleisch.

Wie wir doch alle abfahren auf das Kindchenschema. Ist ja auch klar. Kindchenschema hat Evolution überhaupt nur für uns Menschen entwickelt. Funktioniert nur bei uns. Tiere (also, all die anderen Tiere) sind ja gar nicht in der Lage, etwas “niedlich” oder “süß” zu finden. *Ironie OFF*

Wenn man Menschen fragt, warum wohl fast alle Tierkinder, selbst kleine Reptilien, so süß und niedlich aussehen und ob dieses Aussehen womöglich auf deren Eltern denselben Effekt hat wie auf uns, dann wird das sofort als “Vermenschlichung” abgetan. Dabei ist es eigentlich nur logisch.

Dass das extra nur für uns entstanden sein soll, lange bevor es uns überhaupt gab, das zeugt von einem völlig überzogenen, aufgeblasenen, anthropozentrischen Standpunkt, der mittlerweile genauso überholt sein sollte, wie die Meinung, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums.

Sei fair! Sei vegan! Nur so können wir diesem Irrsinn ein Ende setzen.

Nationalstolz und Religion

Nationalstolz und Religion sind wahrscheinlich die zwei größten Plagen der Menschheit.

Mir fällt auf Anhieb keine Naturkatastrophe und keine Seuche ein, die auch nur annähernd so viel Leid und Tod unter den Menschen (und allen anderen Tieren) verbreitet hätte wie diese beiden.

Was im vergangenen und diesem Jahr geschehen ist, bleibt mir unverständlich. Aufgeklärte Menschen, die in Gesellschaften leben, die Rede- und Versammlungsfreiheit gewähren, in denen versucht wird, Bildung und medizinische Versorgung für alle zu garantieren, wenden sich von eben diesen Vorteilen ab und laufen politischen Rattenfängern hinterher, die ganz unverhohlen sogar gegen die Interessen ihrer Anhänger zu arbeiten gedenken.

Brexit, AfD, Front National, Hofer, Trump und nun das Referendum in der Türkei. Wenn Männer und Frauen, die hier Religions-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit genießen, mehrheitlich, mit mehr als 60 Prozent, ihre ursprüngliche Heimat  in eine nationalistische, religiös-fundamentalistische Diktatur schicken, dann ist das zutiefst bestürzend und ernüchternd.

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“Na? – Wie ist die Freiheit? Gut? Man merkt’s ja immer nicht, wenn man sie hat. Ne? Wahnsinnig fragil. Über Nacht ist die ja weg unter Umständen. Lassen Sie uns doch mal die Freiheit genießen. … … … Jetzt war’se grad da. Ham’ses gemerkt?”
~ Hagen Rether

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Wenn ich dran denke, was wir als Menschheit erreichen könnten mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen und unserer Intelligenz. Wenn wir endlich diese beiden Geißeln in die Tonne treten und Hand in Hand dafür arbeiten würden, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Bildungsgrades, ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer Spiritualität ein Dach über dem Kopf haben, genug zu essen, ausreichende medizinische Versorgung und Zugang zu Bildung und Information.

Was könnten wir alles erreichen. Was könnten wir für uns und diesen Planeten, unsere einzige Heimat, erreichen.

Imagine

To all the people who defend animal exploitation

Vor zwei Tagen war ich wieder einmal in eine dieser heillosen Diskussionen auf einer bekannten a-sozialen Plattform verstrickt. Irgendwann hatte ich genug von all den Rechtfertigungs-, Ablenkungs- und Beleidungsmanövern. Auf einmal war es sehr wichtig für mich, nicht nur für andere, sondern auch für mich klarzustellen, worum es mir geht und warum es so wichtig ist für mich und für die Tiere. Da ich mich in einer englischen Diskussionsgruppe befand, habe ich es entsprechend auf Englisch formuliert, werde dies aber bald übersetzen:

When I read through all these comments defending our needless harming and killing of animals I can’t help but see my former self. Myself denying their moral relevance, myself trying to rationalize and to justify what I knew to be wrong deep in my heart, but couldn’t admit. That was the one, the only difficult, part about becoming vegan: Admitting to myself that I was doing them wrong, that I was wrong.

The company of dogs has opened my eyes to the fact, that they have rich emotional lives, and I am sure that most people who care for dogs, or cats, or any other animal, can relate. Their joy and love of life seems to be limitless, their affection for their family, friends, and even us, flows freely and when they are afraid their fear and their suffering is bottomless, because they cannot understand, cannot rationalize, cannot defend themselves. All they can do, is beg not to be hurt, beg not to be killed. They do talk to us, through eye contact and body language, their screams and their whimpering, but we choose to look the other way.

The moment you dare to look into their eyes with an open mind and an open heart, you cannot help but realize that there is someone there. A person looking at you, not an inanimate object. And that person asks but one question: “Will you hurt me, or can I trust you?”

That was the hardest part of becoming vegan. Admitting to myself that I had been betraying them, that I was not the good person that I liked to think of myself, that I was the one paying others to hurt them, to exploit them, and to kill them, and all that for no good reason at all, because we don’t need any of the things we derive from them. We can live healthy, happy lives without harming them.

That moment of clarity, when I took down the blinders and really looked at them, finally seeing their personhood, finally understanding that their emotions are not different from mine, that their interests are as important to them, as mine are to me, was excruciatingly painful and extremely wonderful at the same time. The grief about my complicity in their suffering was, and is, profound. And the relief about being able to end this complicity was, and still is, immense.

That moment of clarity, when I became vegan, was one of the most beautiful, albeit most horrifying, moments of my life, and I cherish it deeply. I am thankful for it and will never ever put on the blinders again. I am grateful for all the vegans before me, who dared to speak up for the animals, and helped me to overcome the conditioning and the cruel, violent, ideology of human “superiority” and “entitlement”.

Stop having victims. Be fair. Be vegan. I promise: You won’t regret it.

Über Pausen und Neuanfänge

Auf diesem Blog herrschte lange Zeit Ruhe, während ich anderweitig aktiv war. Mein Internet-Aktivismus verläuft leider wellenartig und ich bin immer noch dabei zu lernen, wie man einen Blog vernünftig gestaltet und am Laufen hält.

Viele meiner Gedanken und Gefühle zum Veganismus habe ich in der Zwischenzeit hier festgehalten: Kleine vegane Denkwerkstatt. Allerdings  ist es alles unsortiert, es gibt keinen roten Faden und ich bin nicht wirklich zufrieden damit.

Darum möchte ich hier einen Neuanfang wagen. Die erste “Amtshandlung” war, diesen Blog umzubenennen in “Donnerndes Schweigen”.

Ich habe lange nach einem guten und treffenden Namen gesucht. In diesem Namen spiegelt sich, was mich am Meisten am Veganismus und der Tierausbeutung beschäftigt. Die Tabuisierung dieses Themas. Das angestrengte Schweigen allerseits, damit das “empfindliche” Thema nur ja nicht zur Sprache kommt.

Glücklicherweise durchbrechen immer mehr Veganerinnen und Veganer dieses Schweigen und setzen sich lautstark, selbstbewusst, zielsicher und eloquent für dieses Anliegen ein. Ich möchte in diesen Chor einstimmen. Das Schweigen muss gebrochen werden und jede einzelne Stimme zählt.