Wenn ich Tierwirt*in wäre

Änderung, 12-März-2018:

Ich habe lange mit mir gerungen. Wie man unten sehen kann, habe ich wieder und wieder versucht, Verständnis auch für diejenigen zu haben, die fühlende, bewusste Lebewesen gewaltsam in eine Existenz zwingen, nur um aus ihren Körpern und letztlich ihrem Tod Profit zu schlagen.

Aber ich habe kein Verständnis mehr und will auch keines mehr haben. Wer Tiere nur zum Töten züchtet, verdient kein Verständnis.

Heute habe ich einen Plan zur Schweinemast gesehen. Wie man Tierbabies in 150 Tagen fertig macht zum Töten. 150 Tage. Etwa 5 Monate. Sie werden im “reifen” Alter von 6 Monaten an einige der schlimmsten Orte dieser Welt gekarrt, damit sie dort gewaltsam getötet werden. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch Welpen. Kinder. Wir Menschen sind Kindsmörder, sogar Massenkindsmörder, Milliardenkindsmörder.

Selbst die Tiere, deren Körper vorher noch maximal ausgebeutet werden, die Milchkühe, die Eierhennen, die Zuchtschweinemütter, werden getötet in einem Alter, da sie eigentlich noch Jungtiere sind. In einem Zustand, der meist jenseits von gut und böse ist. Körperlich ausgelaugt, seelisch gebrochen.

Nein. Kein Verständnis dafür. Es ist unentschuldbar. Es ist widerlich. Ekelhaft. Kein Verständnis. Nie mehr. Es ist jetzt Schluß mit Freundlichkeit und Schmusekurs.

Es wird der Tag kommen, da werden sich die Menschen schämen, wenn ihre Eltern oder Großeltern auf derart grauenvolle Weise Geld verdient haben. Dass sie ihre Seele und ihre Ehre für 30 Silberlinge verkauft haben.

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Ich gebe zu, wäre ich Tierwirtin, hätte ich eine Stinkwut auf die vegane Bewegung. Und Angst.

Das hier wird ein schwieriger Artikel. Ich versuche zu verstehen, mitzufühlen. Das kann leicht wie mitleidige Arroganz wirken. So ist es aber nicht gemeint. Ich versuche einfach nur, mich in die Lage anderer hinein zu versetzen.

Was wären wohl meine Gedanken, wenn ich Tierwirtin wäre und meinen Lebensunterhalt durch Tiere verdiente? Vielleicht etwa dies:

“Was fällt diesen überheblichen Besserwissern eigentlich ein? Mein Leben lang habe ich geschuftet, um die Menschen mit Nahrung zu versorgen, mit lebenswichtigen Produkten. Mit Milch, mit Fleisch, mit Eiern. Und nun soll das alles nichts wert gewesen sein? Nun soll ich auf einmal ein unethischer Mensch sein? 7 Tage die Woche muss ich für die Tiere da sein, früh aufstehen, bis in die Abendstunden mich abplacken und noch Buchführung machen, immer neue Gesetze und Änderungen beachten und jetzt soll ich mich auch noch schämen dafür?

Mein ganzes Leben lang war ich davon überzeugt, das Richtige zu tun, eine wichtige Aufgabe für die Allgemeinheit zu erfüllen und jetzt soll das auf einmal unmoralisch sein? Die kommen einfach daher und stellen alles in Frage, was ich mein Leben lang getan habe und geglaubt habe. Die stellen meine Arbeit, meine Überzeugungen in Frage. Sie stellen mich in Frage. Mit welchem Recht eigentlich?

Meinen die vielleicht, dass das immer so einfach ist? Ich bin doch kein Unmensch, ich sehe doch auch, dass die Tiere oft leiden und dass sie nicht sterben wollen. Immer war ich davon überzeugt, dass das nun einmal notwendig ist, dass irgendjemand diese traurige Aufgabe machen muss, weil wir diese Produkte nun einmal brauchen. Glauben die wirklich, dass mich das nicht auch berührt hätte in all der Zeit? Halten die mich für ein Monster, oder was? Es ist auch für mich nicht leicht und jetzt soll das alles umsonst gewesen sein? Unnötig sogar? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein.

Die wollen mir wohl meinen Lebensunterhalt wegnehmen? Meinen Lebensinhalt reden sie schlecht.  Was soll ich denn machen? Wie soll ich meine Familie ernähren? Mit Fördergeldern bin ich geködert worden und nun bin ich bis über beide Ohren verschuldet. Selbst wenn ich wollte, dann könnte ich jetzt nicht aufhören damit. Was soll ich denn machen? Ich sitze doch in der Falle. Es gibt praktisch keine anderen Verdienstmöglichkeiten, eine Umstellung auf Pflanzen würde erst einmal mehr kosten als herein kommt. Wie soll ich das denn bezahlen? Wie soll ich das überbrücken? Und wer garantiert mir, dass ich dann damit mein Auskommen hätte? Von überall her werden angebliche Bio-Produkte zu Dumpingpreisen importiert. Da kann ich doch gar nicht mithalten.

Was soll ich denn tun? Das ist einfach ungerecht und unfair!”

Kann sein, dass ich komplett falsch liege. Dennoch wünschte ich mir, dass die Parteien, die Landwirtschaftsminister, wer auch immer dazu in der Lage ist, Programme und Förderungen entwickelt, die es den Bauern leicht machen, von der Tierwirtschaft auf die Landwirtschaft umzusteigen. Umschuldung, von mir aus auch Entschuldung, Förderung von ökologischer bio-dynamischer Landwirtschaft, oder noch besser, bio-veganer Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten, ehrenvollsten Berufe überhaupt. Jedes Mal, wenn ich im Supermarkt die Obst- und Gemüse-Abteilung bestaune, oder auf dem Wochenmarkt das bunte, vielfältige Angebot sehe, bin ich einfach nur dankbar, dass es Landwirte gibt, die all das erzeugen. Ich wünsche mir nicht weniger Landwirte, ich bekämpfe nicht die Bauern. Ich wünsche mir, dass die Tierwirte auf Landwirtschaft umsteigen und dass es ihnen leicht gemacht wird, das zu tun.

Liebe Landwirte,

ich hasse Euch nicht und ich verachte Euch nicht. Ich will Euch nichts Böses. Aber ich bin der Meinung, dass dieses System der Tierprodukte-Erzeugung nur Leid verursacht, bei Tier und Mensch, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass wir gemeinsam Wege aus dieser Misere finden.

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