Das sind zwar keine schönen Bilder, aber…

… wenn es schon sein muss, dann sollten wir es wenigstens “richtig” machen. Nicht wahr?

Am 12. Mai 2017 hat der Bayerische Rundfunk ein Video veröffentlicht, Tierschutz beim Schlachten: Schonendes Töten, besseres Fleisch | Unser Land | BR, in dem gezeigt wird, wie Schweine “schonend” geschlachtet werden. Es ist ein bemerkenswerter Zeitpunkt, da kurz zuvor andere Videoaufnahmen aus einem Bio-Schlachthof ebenfalls in Bayern Aufsehen erregten, weil sie zeigten, wie Tiere grob und grausam behandelt werden, wenn sie nicht in die Tötungsbox gehen wollen. Es gibt auch Videoaufnahmen, die belegen, dass nicht wenige Tiere leider nicht ausreichend bewusstlos(1) sind, wenn die Weiterverarbeitung beginnt.

Im Einführungstext zum Video steht folgender Satz:

Wir zeigen, wie es bei einem Metzger vorbildlich läuft, auch wenn das keine angenehmen Bilder sind.

(Hervorhebung von mir.)

Wieso warnt man vorsorglich, dass es keine angenehmen Bilder sind? Hier wird doch nur gezeigt, wie unser Essen gemacht wird und noch dazu auf vorbildliche Weise? Da müssten wir doch mit Begeisterung und auf Hochtouren arbeitenden Speicheldrüsen zusehen können und sogar wollen, oder etwa nicht?

Wenn es uns unangenehm ist, zuzusehen, wie Tiere getötet werden; wenn wir uns vor Blut ekeln und das Geräusch, wenn einem Tier die Haut abgezogen wird, grässlich finden; wenn wir selbst dann nicht zusehen mögen, wenn alles “mit rechten Dingen” zugeht, sollten wir uns dann nicht vielleicht fragen, warum das so ist? Warum müssen wir gewarnt werden, dass jetzt gleich vorgeführt wird, wie Tiere getötet werden? Warum müssen wir vor diesem Anblick geschützt werden? Es müsste uns doch statt dessen das Wasser im Mund zusammen laufen.

Viele Metzger berichten, dass es ihnen zumindest anfangs nicht leicht gefallen ist, Tiere zu töten. (Benjamin Koch auf die Frage, ob Töten Spaß mache: “Spaß macht das nicht, aber es macht mich auch nicht mehr traurig.”(2) Also hat ihn das Töten zu Beginn traurig gemacht. Und was ist dann passiert? Ist es ihm gelungen, sich ausreichend abzuhärten? Hat er seine Abneigung gegen das Töten überwunden?

Wieso halten wir seelische Abhärtung und die Überwindung unseres natürlichen Mitgefühls für erstrebenswerte, gar “männliche”, Eigenschaften?

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Natur, dass Evolution, ein Lebewesen hervorbringt, das sich vor der Gewinnung seines vermeintlich wichtigsten Lebensmittels ekelt? Das sich beim Anblick der Herstellung seiner Nahrung unangenehm berührt fühlt, das sich windet und wegsehen möchte, das sich ekelt und mit seinem Essen Mitleid empfindet? Sind all diese unangenehmen Gefühle, die wir erleben, wenn wir ein solches Video ansehen, denn günstig für das Überleben der Art? Können dieser Widerwillen, dieser Ekel vor der Herstellung des eigenen Essens, denn ein Vorteil beim Überleben sein?

Wie viele Löwen mag es wohl geben, die Hemmungen haben, einem Zebra an die Gurgel zu gehen, und die erst mühsam lernen müssen, diese Hemmungen zu überwinden? Wie viele Hyänen gibt es wohl, die sich vor vermodernden Kadavern ekeln? So etwas kommt einfach nicht vor in der Natur. Jedes Lebewesen liebt und genießt das Essen, das es am besten verträgt, das die beste Nahrungsquelle für es ist. Wir ekeln uns nicht davor, Früchte zu pflücken, Nüsse zu knacken oder Gemüse zu schneiden. Wenn wir in einen Apfel beißen, tut er uns nicht leid.

Wenn das Blut wäre, wäre es dann immer noch niedlich?

Gemeinschaftliches Pilze- oder Beerensammeln empfinden wir als angenehm, unterhaltsam, Gemeinschaft stiftend und zutiefst befriedigend. Wenn kleine Kinder mitten im Erdbeerfeld sitzen, glücklich und selbstvergessen eine süße Frucht nach der anderen in sich hineinstopfend, finden wir das entzückend. Würde dasselbe Kind mit blutverschmiertem Gesicht am aufgerissenen Bauch eines Gnus hocken und rohe Fleischfetzen verschlingen, würde uns das Grauen schütteln. Das ist der Stoff aus dem Gruselfilme gemacht werden.

Niemals würden wir ein Kind mit in einen Schlachthof nehmen und ihm stolz präsentieren, wie sein Essen gemacht wird. Die meisten Kinder wären schwer traumatisiert und viele Erwachsene auch. Der Prozess der Abstumpfung dauert lang. Meist gelingt er gar nicht. Wir werden lediglich Meister in der Kunst des Wegsehens, des Nicht-Genau-Hinsehens, des Ignorierens. – “Hör auf, mir davon zu erzählen, sonst schmeckt mir mein Essen nicht mehr!” – Deshalb müssen wir vorsorglich gewarnt werden bei solchen Videos, damit wir nicht unvorbereitet mit der Realität konfrontiert werden, damit wir Gelegenheit haben, noch schnell abzuschalten, das Zimmer zu verlassen, wegzusehen oder uns innerlich zu stählen, damit wir dem Anblick standhalten können.

Löwenkinder haben damit keinerlei Probleme. Wenn die Eltern eine halbe Gazelle heran schleifen, dann ekeln sie sich nicht, dann sind sie keineswegs traumatisiert, sondern stürzen sich darauf, ohne die kleinsten Gewissensbisse. Löwenkinder finden das toll. Das ist ihr Essen. Würden wir Menschenkindern ein halbes, rohes Kaninchen auf den Teller klatschen, wäre das Geschrei groß. Wenn das Kind hingegen mit Gusto seine Zähne in den dampfenden Kadaver schlagen würde, schauderte uns vor diesem Kind.

Warum ist das so? Warum kostet es uns Überwindung, zuzusehen, wenn Tiere getötet werden? Warum ist es schwierig, das Töten zu lernen? Warum verstecken wir es vor uns, indem wir die Schlachthöfe in abgelegene Gewerbegebiete verbannen? Warum sind diese Berufe stigmatisiert? – “Also, ich könnte das nie!” – Warum machen wir keine Unterhaltungsausflüge in die Schlachthöfe, um uns “unser” Fleisch selbst von den toten Körpern zu schneiden? Warum finden wir es eklig, wenn ein Kadaver ausgenommen wird und die Gedärme herausquellen? Warum haben wir überhaupt Mitleid mit diesen Lebewesen?

Warum finden wir es so unerträglich, wenn wir an dieses ganz ursprüngliche, uns mühelos zufliegende Mitgefühl erinnert werden? Warum sind wir verärgert, wenn an unser Mitleid appelliert wird? Sind nicht gerade dieses Mitgefühl und unser Empfinden für Gerechtigkeit, Ethik und Moral ganz besonders große Errungenschaften, auf die wir zu Recht stolz sein dürfen?

Das sind keine rhetorischen Fragen. Ich bitte die LeserInnen ganz dringend in sich zu gehen und sich diese Fragen selbst zu stellen.

Wer sich noch etwas eingehender mit diesem Thema befassen möchte und des Englischen mächtig ist, sollte sich unbedingt Dr. Milton Mills’ Vortrag über “Meat Eating and the Biology of Disgust” ansehen.

Ich bin längst davon überzeugt, dass unser Mitgefühl keineswegs Ausdruck von Verweichlichung und Entfremdung von der Natur ist. Ganz im Gegenteil. Wir haben Mitgefühl mit den anderen Tieren, weil wir wissen, dass sie sich in den wesentlichen Dingen nicht von uns unterscheiden. Wir haben Lungen, Herzen, Haut, Knochen, Lebern, Nieren, Muskeln, Nerven. Ihre Organe funktionieren nicht wesentlich anders als unsere. Sie erfüllen dieselben Aufgaben auf dieselbe Weise. Die Unterschiede sind höchstens graduell, nicht essentiell. Warum sollten ausgerechnet ihre Gehirne so wesentlich anders funktionieren?

Wir verstehen ihre Körper, weil wir unsere Körper verstehen. Wir verstehen den Ausdruck von Angst in ihren Augen, weil er sich nicht von dem Ausdruck der Angst in unseren Augen unterscheidet. Wir verstehen ihre Körpersprache, weil wir unsere Körpersprache verstehen. Wir verstehen ihren Schmerz, weil wir unseren verstehen. Wir sind aus derselben Evolution hervorgegangen, wir sind keine Fremden, wir sind verwandt miteinander. Wir sind verwandte Seelen.

Sieh in ihre Augen und erkenne dich selbst darin. Wenn es um Leben und Tod geht, gibt es keinen Unterschied zwischen ihnen und uns.

Wir müssen unsere Geschwister nicht töten.

Wir dürfen unsere Geschwister nicht töten.


(1) Hier ein Video zur unzureichenden Bewusstlosigkeit: Bruellen der Rinder -lebendig zerlegt beim Schlachter um die Ecke und ein erläuternder Text eines Amtstierarztes, damit man die Aufnahmen besser verstehen und einordnen kann:

“Da sieht man ja alles wunderbar, wogegen ich bei der Arbeit ankämpfe. Alle Treibmethoden. Mit Gabeln und sogar winzige Kälber mit dem verbotenen Schwanzgriff treiben, bei dem man die Schwänze bricht. Als ob so ein Winzling nicht anders vorwärts geschoben werden könnte. Bei 7:12 einen Bullen, bei dem der Betäubungsschuß völlig daneben ging. Er blinzelt noch und ist bei vollem Bewusstsein. Der bei 9:30 hat einen leichten Hau abgekriegt, das sieht man am zitternden Aufgapfel. Aber auch da ist bei Weitem keine ausreichende Betäubung vorhanden. Wenn sie noch selber blinzeln oder zumindest auf Berührung des Augapfels blinzeln, ist die Betäubung auf jeden Fall misslungen. Man sieht auch sehr schön, dass die nicht ausreichend betäubten Tiere nicht zappeln. Bei 12:12 sieht man einen Bullen, bei dem die Betäubung funktioniert hat. Die Zunge hängt heraus, er zeigt eine letzte Agonieschnappatmung und dann entlädt sich die Restenergie in den Zellen, die zu Flucht oder Kampf bereit gestellt war in zappelnden Bewegungen. Sieht am schlimmsten aus, was irreführend ist. Bei 13:08 sieht man eine offenbar gelungene Betäubung. Der Bulle scheint gut getroffen, er verdreht die Augen, ein Zeichen dafür, dass das Gehirn einen Schlag ab bekommen hat. Der Metzger testet sogar den “Zwinker-Reflex”. Aber bei 13:40 zeigt ein anderer Bulle ein ähnliches Gesicht und kommt dann doch wieder zu sich, zwinkert und ist voll dabei, als es der Arbeiter nicht mehr nachprüft. Die Schädelplatte der Bullen ist sehr dick. Leicht verkantet oder verrutscht, wird der Bolzenschuß sofort unwirksam. Zwischen gar nicht und gut betäubt gibt es jede mögliche denkbare Variante. Den Ton hatte ich nicht an.”
~N.T.

(2)
10 Fragen an einen Metzger

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Parents overjoyed – brutal son goes reducetarian

baby-1880769_1920John and Hillary W. are enthralled that their son Rudi (7) is finally going reducetarian and has vowed to beat up his little sister Sandra (2) only on 6 days a week instead of daily.

“It’s a step in the right direction. We are so proud of him.”

In one or two years, if Rudi got accustomed to it, he might even think about reducing to 5 days per week. Who knows, in 20 or 30 years he might even be able to totally forego the violence. To ask an immediate end to the beatings would be far too extrem, totally dogmatic, and completely unrealistic.

“One must not ask too much at once. That would make Rudi cantankerous and stubborn. You have to be grateful for every little improvement.”

When asked why Rudi is not just given a sandbag or punching-ball to box those instead, the answer was: “Well, that’s just not like the real thing. Hitting a living, screaming face feels so much better to him. We simply can’t ask such a big sacrifice of him.”

Little Sandra did not comment as she’s still recovering from the last blows, but she’s already looking forward to next week’s beat-free Monday.

#Reducetarianism #Flexitarianism #Pescetarianism #Vegetarianism #Bullshitarianism

#NoExcuses #GetReal #BeFair #GoVegan

German Version:
https://oideschachdl.wordpress.com/2017/05/08/eltern-uberglucklich-brutaler-sohn-wird-reducetarier/

Eltern überglücklich – Brutaler Sohn wird Reducetarier!

baby-1880769_1920Heinz und Renate W. sind begeistert, denn ihr Sohn Rudi (7) wird endlich Reducetarier und hat sich vorgenommen, zukünftig seine kleine Schwester Sandra (2) nur noch an 6 Tagen pro Woche grün und blau zu prügeln, statt wie jetzt täglich.

“Es ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sind so stolz auf ihn.”

In ein oder zwei Jahren, wenn Rudi sich daran gewöhnt hat, kann er vielleicht sogar auf nur 5 Tage wöchentlich reduzieren. Wer weiss, womöglich schafft er es in 20 oder 30 Jahren sogar, ganz auf Gewalt zu verzichten. Sofortigen Gewaltverzicht zu verlangen, wäre einfach viel zu extrem, total dogmatisch und vor allem völlig unrealistisch.

“Man darf einfach nicht zu viel auf einmal verlangen. Da wird Rudi störrisch und verweigert sich total. Man muss eben dankbar für jede noch so kleine Verbesserung sein.”

Die kleine Sandra hat sich nicht dazu geäußert, sie erholt sich noch von den letzten Faustschlägen und freut sich schon einmal auf den kommenden “beat-free” Montag.

#Reducetarianism #Flexitarianism #Pescetarianism #Vegetarianism #Bullshitarianism

#NoExcuses #GetReal #BeFair #GoVegan

Englische Version:
https://oideschachdl.wordpress.com/2017/05/08/parents-overjoyed-brutal-son-goes-reducetarian/

Gedanken zum Muttertag

Es handelt sich um eine Übersetzung des Artikels a thought for mother’s day eines meiner Lieblings-Blogs “There’s an Elephant in the Room“. Jeder der Artikel ist lesens- und bedenkenswert.

***

 

A thought for Mother’s Day

Der Muttertag naht in England (und auch Deutschland) und das ist traditionell eine Zeit, in der wir in Liebe und Dankbarkeit an unsere Mütter denken. Wenn wir selbst Mütter sind, dann ist es eine Zeit, die wir mit der Familie verbringen und das besondere Band feiern und  bekräftigen, das zwischen einer Mutter und ihrem Kind besteht, ungeachtet der Jahre, die vergangen sind, seit wir sie zum ersten Mal in unsere Arme und Herzen schlossen, und die ungeachtet ihres Alters immer unsere Kinder sein werden bis zu unserem letzten Atemzug.

Wir Mütter teilen ein einzigartiges Verstehen, wir kennen unsere dunkelsten Ängste. Wir wissen, was eine Mutter in den stillen Stunden tiefer Nacht wach hält, wenn unser verzweifeltes Bedürfnis unsere Kinder zu beschützen die Erschöpfung besiegt, genährt von den schlimmsten Befürchtungen, die wir nicht auszusprechen wagen.

Mutterschaft ist keine rein menschliche Erfahrung, wie jeder bestätigen kann, der schon einmal die zärtliche Hingabe gesehen hat, mit der alle Mütter jeder Spezies ihre Kleinkinder überschütten, die sie unter Schmerzen geboren haben und die sie nun mit atemlosen Staunen in der Welt begrüssen.

Wenn wir die Milch, die Eier, das Fleisch oder die Körperteile der Mitglieder einer anderen Spezies essen oder tragen oder für irgendeinen anderen der Vielzahl abscheulicher Zwecke verwenden, die unsere Spezies sich erdacht hat, gibt es etwas, dem wir ausweichen, das wir nicht sehen wollen. Aber heute, im wahren Geiste des Muttertags, lasst uns endlich der Wahrheit ins Gesicht sehen, damit wir beginnen können, diesem Alptraum ein Ende zu setzen.

Milk_industry_22 Commons.jpgEs ist unerheblich für welchen Zweck wir andere Individuen benutzen, jede der zugrunde liegenden Praktiken erfordert die mitleidlose Ausbeutung des mütterlichen Reproduktionsprozesses; das Entfernen, das Verletzen und das Töten ihrer Kinder. Das ist immer der Fall und egal was uns statt dessen erzählt wird, es gibt keine ‘humane’, keine ‘artgerechte’ Weise, dies zu tun. Tatsächlich tun wir anderen empfindungsfähigen Müttern das an, was wir selbst nie aushalten könnten; was uns in unseren schlimmsten Alpträumen verfolgt.

Es gibt keine Notwendigkeit für uns, das zu tun, nicht die geringste.  Wir können gut leben, und unsere Kinder können gedeihen, ohne anderen Schaden zuzufügen. Alles, was dafür nötig ist, ist sich der Mythen zu entledigen, die uns unser Leben lang eingetrichtert wurden, und mit neuen Augen und gesundem Menschenverstand hinzusehen. Und dann, wie es bereits so viele von uns getan haben, zu sagen: ‘Genug. Ich lehne es ab, meine schlimmsten Ängste irgendeiner anderen Mutter anzutun.’

Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen. Lassen wir den Muttertag einen Festtag für alle Mütter sein. Sei vegan.

An alle, die Tierausbeutung verteidigen

Wenn ich mir all die Beiträge und Kommentare durchlese, in denen unser unnötiges Verletzen und Töten von Tieren verteidigt wird, dann kann ich nicht umhin, mein früheres Selbst zu sehen. Mein früheres Selbst, das ihre moralische Bedeutung verleugnet hat, mein Rationalisieren und Rechtfertigen dessen, was ich tief in meinem Herzen für falsch hielt, aber nicht vor mir selbst zugeben konnte. Das war das eine, das einzig Schwierige daran, vegan zu werden: vor mir selbst zuzugeben, dass ich ihnen Unrecht tat, dass ich Unrecht hatte.

Die Gesellschaft von Hunden hat mir die Augen geöffnet und mich erkennen lassen, dass sie ein reiches Gefühlsleben haben und ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen, die für einen Hund oder eine Katze oder irgendein anderes Tier sorgen, das nachvollziehen können. Ihre Freude und Lebenslust scheinen grenzenlos, ihre Zuneigung für ihre Familie, ihre Freunde und sogar uns fließt ungehindert und wenn sie sich fürchten, dann sind ihre Angst und ihr Leiden bodenlos, denn sie können nicht verstehen, können nicht rationalisieren, können sich nicht wehren. Alles, was ihnen bleibt, ist darum zu betteln, nicht verletzt zu werden, nicht getötet zu werden. Sie sprechen sehr wohl zu uns, durch Augenkontakt und Körpersprache, durch ihre Schreie und ihr Gewimmer, aber wir sehen weg.

In dem Augenblick, in dem du es wagst mit offenem Geist und offenem Herzen in ihre Augen zu sehen, wirst du ohne alle Zweifel erkennen, dass eine Person dich anblickt, kein seelenloses Objekt. Und diese Person stellt dir nur eine Frage: “Wirst du mir weh tun, oder kann ich dir vertrauen?”.

Das war das Schwierigste am vegan werden. Mir selbst einzugestehen, dass ich sie verraten hatte, dass ich nicht die anständige Person war, für die ich mich hielt, dass ich andere dafür bezahlte, sie zu verletzen, sie auszubeuten und zu töten, und dies alles ohne den geringsten Grund, denn wir brauchen nichts von den Dingen, die wir von ihnen gewinnen. Wir können gesunde, glückliche Leben führen, ohne ihnen Schaden zuzufügen.

Dieser Moment der Klarheit, in dem ich die Scheuklappen abnahm und die anderen Tiere endlich wirklich wahrnahm, endlich ihr Person-Sein anerkannte, endlich begriff, dass ihre Gefühle sich von meinen nicht unterscheiden, dass ihre Interessen für sie genauso wichtig sind, wie meine für mich, dieser Moment war gleichzeitig entsetzlich schmerzhaft und überaus wunderbar . Meine Trauer über meine Komplizenschaft bei ihrer Ausbeutung war und ist noch immer tiefgreifend. Und meine Erleichterung darüber, diese Mittäterschaft beenden zu können, war und ist immer noch gewaltig.

Dieser Moment der Klarheit, als ich vegan wurde, war einer der schönsten, wenngleich schrecklichsten Momente meines Lebens, und ich bewahre ihn in meinem Herzen und werde die Scheuklappen nie wieder aufsetzen. Ich bin dankbar für all die Veganerinnen und Veganer, die vor mir den Mut hatten, aufzustehen und sich für die Belange der Tiere einzusetzen und mir damit geholfen haben, meine lebenslange Konditionierung und die grausame, gewalttätige Ideologie der menschlichen “Überlegenheit” und grenzenlosen Anspruchshaltung zu überwinden.

Hör auf, Opfer zu haben. Sei fair. Sei vegan. Du wirst es nicht bereuen.

ENG: To all the people who defend animal exploitation

SAMSUNG

Kulleraugen

Der NDR titelt “Kulleraugen im Kuhstall” und berichtet über Drillingskälbchen im Wendland. Mit einem sooo niedlichen Foto von den sooooo süßen Kälbchen.

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Mooooiiiii, so niedlich. Aber leider sehr wahrscheinlich unfruchtbar, da Mehrlinge, und das bedeutet: ab in den Schlachthof, sobald es die Gesetzeslage zulässt. Dort sind sie dann bald niedliches Billigfleisch.

Wie wir doch alle abfahren auf das Kindchenschema. Ist ja auch klar. Kindchenschema hat Evolution überhaupt nur für uns Menschen entwickelt. Funktioniert nur bei uns. Tiere (also, all die anderen Tiere) sind ja gar nicht in der Lage, etwas “niedlich” oder “süß” zu finden. *Ironie OFF*

Wenn man Menschen fragt, warum wohl fast alle Tierkinder, selbst kleine Reptilien, so süß und niedlich aussehen und ob dieses Aussehen womöglich auf deren Eltern denselben Effekt hat wie auf uns, dann wird das sofort als “Vermenschlichung” abgetan. Dabei ist es eigentlich nur logisch.

Dass das extra nur für uns entstanden sein soll, lange bevor es uns überhaupt gab, das zeugt von einem völlig überzogenen, aufgeblasenen, anthropozentrischen Standpunkt, der mittlerweile genauso überholt sein sollte, wie die Meinung, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums.

Sei fair! Sei vegan! Nur so können wir diesem Irrsinn ein Ende setzen.

Nationalstolz und Religion

Nationalstolz und Religion sind wahrscheinlich die zwei größten Plagen der Menschheit.

Mir fällt auf Anhieb keine Naturkatastrophe und keine Seuche ein, die auch nur annähernd so viel Leid und Tod unter den Menschen (und allen anderen Tieren) verbreitet hätte wie diese beiden.

Was im vergangenen und diesem Jahr geschehen ist, bleibt mir unverständlich. Aufgeklärte Menschen, die in Gesellschaften leben, die Rede- und Versammlungsfreiheit gewähren, in denen versucht wird, Bildung und medizinische Versorgung für alle zu garantieren, wenden sich von eben diesen Vorteilen ab und laufen politischen Rattenfängern hinterher, die ganz unverhohlen sogar gegen die Interessen ihrer Anhänger zu arbeiten gedenken.

Brexit, AfD, Front National, Hofer, Trump und nun das Referendum in der Türkei. Wenn Männer und Frauen, die hier Religions-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit genießen, mehrheitlich, mit mehr als 60 Prozent, ihre ursprüngliche Heimat  in eine nationalistische, religiös-fundamentalistische Diktatur schicken, dann ist das zutiefst bestürzend und ernüchternd.

***

“Na? – Wie ist die Freiheit? Gut? Man merkt’s ja immer nicht, wenn man sie hat. Ne? Wahnsinnig fragil. Über Nacht ist die ja weg unter Umständen. Lassen Sie uns doch mal die Freiheit genießen. … … … Jetzt war’se grad da. Ham’ses gemerkt?”
~ Hagen Rether

***

Wenn ich dran denke, was wir als Menschheit erreichen könnten mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen und unserer Intelligenz. Wenn wir endlich diese beiden Geißeln in die Tonne treten und Hand in Hand dafür arbeiten würden, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, ihres Bildungsgrades, ihres Alters, ihres Geschlechts oder ihrer Spiritualität ein Dach über dem Kopf haben, genug zu essen, ausreichende medizinische Versorgung und Zugang zu Bildung und Information.

Was könnten wir alles erreichen. Was könnten wir für uns und diesen Planeten, unsere einzige Heimat, erreichen.

Imagine

To all the people who defend animal exploitation

Vor zwei Tagen war ich wieder einmal in eine dieser heillosen Diskussionen auf einer bekannten a-sozialen Plattform verstrickt. Irgendwann hatte ich genug von all den Rechtfertigungs-, Ablenkungs- und Beleidungsmanövern. Auf einmal war es sehr wichtig für mich, nicht nur für andere, sondern auch für mich klarzustellen, worum es mir geht und warum es so wichtig ist für mich und für die Tiere. Da ich mich in einer englischen Diskussionsgruppe befand, habe ich es entsprechend auf Englisch formuliert, werde dies aber bald übersetzen:

When I read through all these comments defending our needless harming and killing of animals I can’t help but see my former self. Myself denying their moral relevance, myself trying to rationalize and to justify what I knew to be wrong deep in my heart, but couldn’t admit. That was the one, the only difficult, part about becoming vegan: Admitting to myself that I was doing them wrong, that I was wrong.

The company of dogs has opened my eyes to the fact, that they have rich emotional lives, and I am sure that most people who care for dogs, or cats, or any other animal, can relate. Their joy and love of life seems to be limitless, their affection for their family, friends, and even us, flows freely and when they are afraid their fear and their suffering is bottomless, because they cannot understand, cannot rationalize, cannot defend themselves. All they can do, is beg not to be hurt, beg not to be killed. They do talk to us, through eye contact and body language, their screams and their whimpering, but we choose to look the other way.

The moment you dare to look into their eyes with an open mind and an open heart, you cannot help but realize that there is someone there. A person looking at you, not an inanimate object. And that person asks but one question: “Will you hurt me, or can I trust you?”

That was the hardest part of becoming vegan. Admitting to myself that I had been betraying them, that I was not the good person that I liked to think of myself, that I was the one paying others to hurt them, to exploit them, and to kill them, and all that for no good reason at all, because we don’t need any of the things we derive from them. We can live healthy, happy lives without harming them.

That moment of clarity, when I took down the blinders and really looked at them, finally seeing their personhood, finally understanding that their emotions are not different from mine, that their interests are as important to them, as mine are to me, was excruciatingly painful and extremely wonderful at the same time. The grief about my complicity in their suffering was, and is, profound. And the relief about being able to end this complicity was, and still is, immense.

That moment of clarity, when I became vegan, was one of the most beautiful, albeit most horrifying, moments of my life, and I cherish it deeply. I am thankful for it and will never ever put on the blinders again. I am grateful for all the vegans before me, who dared to speak up for the animals, and helped me to overcome the conditioning and the cruel, violent, ideology of human “superiority” and “entitlement”.

Stop having victims. Be fair. Be vegan. I promise: You won’t regret it.

Über Pausen und Neuanfänge

Auf diesem Blog herrschte lange Zeit Ruhe, während ich anderweitig aktiv war. Mein Internet-Aktivismus verläuft leider wellenartig und ich bin immer noch dabei zu lernen, wie man einen Blog vernünftig gestaltet und am Laufen hält.

Viele meiner Gedanken und Gefühle zum Veganismus habe ich in der Zwischenzeit hier festgehalten: Kleine vegane Denkwerkstatt. Allerdings  ist es alles unsortiert, es gibt keinen roten Faden und ich bin nicht wirklich zufrieden damit.

Darum möchte ich hier einen Neuanfang wagen. Die erste “Amtshandlung” war, diesen Blog umzubenennen in “Donnerndes Schweigen”.

Ich habe lange nach einem guten und treffenden Namen gesucht. In diesem Namen spiegelt sich, was mich am Meisten am Veganismus und der Tierausbeutung beschäftigt. Die Tabuisierung dieses Themas. Das angestrengte Schweigen allerseits, damit das “empfindliche” Thema nur ja nicht zur Sprache kommt.

Glücklicherweise durchbrechen immer mehr Veganerinnen und Veganer dieses Schweigen und setzen sich lautstark, selbstbewusst, zielsicher und eloquent für dieses Anliegen ein. Ich möchte in diesen Chor einstimmen. Das Schweigen muss gebrochen werden und jede einzelne Stimme zählt.

 

Mehr desselben

Eine weitere Nachricht dieses Trolls und meine Erwiderung darauf.

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Ich bitte zu beachten, dass dies Geschreibsel nicht von mir stammt, sondern original vom Troll ist. Schlichtes Copy&Paste.

Hallo (Anrede) , nun ich habe mir diesen Berciht angesehen , dazu folgendes : Anbindehaltung ist seit Jahren verboten und das ist gut so , Enthornung : der weg ist rückläufig , und wird nur noch vereinzelt gemacht , Enthornung mit dem Brenneisen wird nur noch durch den tierarzt gemacht , was in dem berciht an hauptsächlich gezeigt wird sind mit verlaub , miese und beschissene Haltungen , alte Stallanlagen , solche betrieb gehöen geschlossen , nur dazu muss ich nicht Vegan leben , sondern mit offenen Augen durchs leben gehen . Jeder anständige Landwirt , hält seine Tiere so , das es ihnen gut geht , und nicht einfach nur Produktionseinheiten , das gleiche könnte man jetzt auch sagen über Dirmeninhaber und deren Angestellte , die Arbeter alles nur Arbeitseinheiten , dann würde sich das auch fürchterlich anhören . Nun wir machen jetzt alle Tierhaltungen zu von heute auf morgen , was wäre dann , es gibt kein Fisch , kein Fleisch , keine Milch , kein Getreide , keine Kartoffeln , kein Salat ( ach nein der wird ja Chemisch gedüngt ) oder sollen wir zur Düngung dann die Klähranlagen darüber ausschütten ???? nein das will auch niemand wirklich . das der gesamt Fleischkonsum solche Haltungen begünstigt ist unbestritten , ich bin für eine Naturnahe Haltung und dazu für einen Richtigen Umgang mit Lebensmitteln , die sinnlose Verschwendung ist ein viel größeres Proplem , nur was mich sehr stört , ist von der Seite der Veganer , diese Hetzkampangnien so das jeder der Fleisch isst ein Mörder ist , dann drehe ich den Spiess einmal um , jeder der sich nicht für den Kinderschutz einsetzt ist ein Potenzieller Kinderschänder . Was ist mit diesem Thema , das ist nciht so Populär , dabei kann man sich nicht Profelieren , aber solch eine Diskusion wird zu keinem ergebniss führen , jeder soll für sich entscheiden , will er Fleisch oder nicht , aber nicht andere die sich dafür entscheiden als Mörder zu bezeichnen, mit dem unterton , nur der Veganer macht es richtig , ohne Fleisch hätten unsere Vorfahren nicht ihr Gehirn soweit entwickelt bekommen und es hätte lange nicht so eine schnelle Evolition statt gefunden , aus allem was Veganer schreiben , klingt dieser unterton , es ist sehr interessant zu sehen , sie machen es aus Ethischen gründen und lieber spät als nie , mag sein , wie oft haben sie sich schon für menschen in Not eingesetzt ? wie oft einem Obdachlosen eine Suppe Angeboten ? wie oft einem Kind das geschlagen wurde in der öffetnlichkeit geholfen ? wie oft alten Menschen geholfen über die Strasse zu kommen oder einfach nur hilfe angeboten ? das nenne ich ethisch leben , aber das sind ja nur Menschen , die bekommen bestimmt hilfe von jemand anderem die können selber sehen wo sie bleiben , ich denke Veganer wollen sich nur in der öffentlichkeit gut stellen , nach dem motto TUE GUTES UND SPRICH DARüBER

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Ihre Argumentation ist fehlerhaft, Herr (Name).

Sie schrieben, Anbindehaltung sei nicht mehr erlaubt. Das stimmt so nicht. Die ganzjährige Anbindehaltung ist in Österreich verboten. Es muss den Tieren lediglich an 90 Tagen im Jahr eine Bewegungsmöglichkeit gewährleistet werden. Doch so viel! Wenn man sie nur 9 Monate lang in Anbindehaltung hat, statt die ganzen 12 Monate, schon ist es keine Anbindehaltung mehr. Na großartig. Da werden sich die Kühe aber freuen.

http://www.lko.at/?id=2500%2C1630335%2C%2C

Außerdem kann in “speziellen zwingend rechtlich oder technisch begründeten Einzelfällen” eine Ausnahme von diesem Verbot genehmigt werden. Diese Gummiformulierung setzt den Paragraphen wieder außer Kraft. Irgendeine “technische” Begründung wird wohl jeder finden können.

Sie schreiben weiters, die Enthornung sei seit Jahren rückläufig und werde nur noch vereinzelt gemacht. Da sind die Tierärzte Österreichs aber anderer Meinung. Nach deren Erfahrung hat die Enthornung im letzten Jahrzehnt sogar rasant zugenommen.

http://www.vet-magazin.at/tierarzt-magazin/aktuelle-meldungen/Enthornung-Rindern.html

Im Übrigen müssen nur “biologisch” wirtschaftende Betriebe die Kälber bei der Enthornung betäuben. Alle anderen dürfen das weiterhin auch ohne Betäubung tun. Man achte bei diesem Artikel auf das Wort “Bio”.

http://www.topagrar.at/rind/Biobetriebe-Enthornen-nur-mehr-nach-Schmerzausschaltung-654076.html

Ihrer Meinung nach gehören also nur die veralteten Ställe geschlossen. Und meiner Meinung nach bleibt Sklavenhaltung Sklavenhaltung und ist unrecht und eine Schande für die Menschheit.

Sie schreiben, jeder anständige Landwirt hielte seine Tiere so, dass es ihnen gut geht. Aha. Und wer legt denn fest, wann es den Tieren gut geht? Der Landwirt natürlich, nicht die Tiere selbst. Dieselbe Argumentation gab es sicherlich damals im Süden der Vereinigten Staaten. Dahinter steckt natürlich der Gedanke, dass Sklaven nur dann profitabel ist, wenn es ihnen “gut” geht, das heißt, wenn es ihnen grade gut genug geht, dass sie nicht abkratzen, bevor sie ausreichend profitabel waren. Den Tieren geht es nur genau so lange “gut”, solange sie profitabel sind. Lässt die Leistung nach geht’s sofort ab in den Schlachthof.

Die Macht von Firmeninhabern mit denen von Landwirten über ihre “Produktionseinheiten” zu vergleichen, ist lachhaft. Die einen können ihren Arbeitskräften allenfalls kündigen, die anderen bringen sie in den Schlachthof. Oder habe ich etwas verpasst? Droht Angestellten und Arbeitern mit mangelnder Leistung in Österreich seit Neuestem die Todesstrafe?

Noch eins haben Sie bei diesem Vergleich vergessen. Wenn einem Angestellten oder Arbeiter der Arbeitsplatz nicht zusagt, kann er sich einen anderen suchen. Von einem Kündigungsrecht der Tiere habe ich noch nicht gehört. Sie etwa?

Ihr nächstes “Argument” ist ein sogenanntes Extremsituations-Szenario, das äusserst unwahrscheinlich ist. Keine Sorge, die Wahrscheinlichkeit, dass von heute auf morgen alle Tierhaltungen auf einmal geschlossen werden, dürfte gegen Null gehen. Es gäbe also Übergangszeiten und die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt anzupassen. Warum es ohne Rinder und andere Tiere plötzlich weder Getreide noch Kartoffeln geben soll, erschliesst sich mir nicht ganz, aber Sie spielen wieder einmal auf den ach so unersetzlichen Dünger an. Ich habe Sie schon einmal auf die biologisch-vegane Landwirtschaft hingewiesen. Aber gut, ich kann das auch noch öfter tun.

http://biovegan.org/infopool/wie-soll-ein-geschlossener-betriebskreislauf-im-bio-veganen-land-und-gartenbau-ohne-nutztiere-denn-aussehen/

http://biovegan.org/infopool/viehloser-oko-ackerbau/

Hier greift der alte Spruch: Wer Lösungen sucht, wird sie finden. Die anderen finden Ausreden.

Ihre Argumentation wird völlig wirr, wenn Sie behaupten, dass jeder, der sich nicht für den Kinderschutz einsetzt, ein potentieller Kinderschänder sei. Jemand, der selbst keine Kinder belästigt und auch nicht im Geringsten daran denkt, ist eben einfach jemand, der keine Kinder belästigt und auch nicht davon profitiert. Und er ist auch dann kein Kindervergewaltiger, wenn er nicht ständig auf der Strasse steht und die Trommel gegen Kindesmissbrauch rührt. Jemand, der Fleisch isst und Milchprodukte konsumiert, gibt hingegen den klaren Auftrag, für seinen Genuss Tiere auszubeuten und zu töten. In der Rechtsprechung ist derjenige, der einen Mordauftrag gibt, genauso als Mörder anzusehen, wie derjenige, der den Mordauftrag ausführt. Es ist in Wirklichkeit recht einfach.

Und schon sind wir bei Ihrem nächsten Ablenkungsmanöver. Schnell ab zu einem völlig anderen Thema, das mit diesem zunächst einmal nichts zu tun hat. Und wo wir grad dabei sind, den Veganern auch gleich noch Desinteresse am Schutz von Kindern unterstellen. Das ist ein recht beliebtes Manöver. Dennoch will ich auch darauf antworten:

Es gibt haufenweise Organisationen, die sich für die Opfer von Gewalt an Kindern einsetzen und es gibt gesellschaftlich keinen Zweifel daran, dass Gewalt und insbesondere sexuelle Gewalt an Kindern verabscheuungswürdig ist und zu Recht verboten ist. Da stimmen wir überein. Hier haben wir einen gesellschaftlichen Konsens, den niemand in Frage stellt. Ich auch nicht.

Bei den Tieren haben wir aber eine grundsätzliche andere Situation. Hier wird gesellschaftlich toleriert und ist sogar gesetzlich erlaubt, dass anderen empfindungsfähigen Geschöpfen Schaden zugefügt wird. Schaden, der im maximalen Unrecht, nämlich der sinnlosen und unnötigen Tötung der Individuen, gipfelt. Die Tiere selbst haben keine Möglichkeit, für ihre Rechte zu kämpfen. Sie können nicht für sich selbst sprechen. Und deshalb ist es wichtig, dass wir es für sie tun. Denn sonst tut es niemand.

Außerdem ist es möglich, sich für mehr als ein Problem zu engagieren. In Herz und Hirn eines Menschen passen mehr als nur ein einziges Anliegen. Die meisten Veganer und Tierrechtler, die ich kenne, sind außer für die Tiere auch noch für vielfältige andere soziale Brennpunkte engagiert. Es hängt nämlich alles zusammen. Und wer sensibel für das Leid von Tieren ist, der ist es zumeist auch für das Leid von Menschen.

Sie schreiben, dass doch jeder für sich entscheiden soll, ob er Fleisch isst oder nicht. Dabei wird aber außer Acht gelassen, dass beim Fleisch- und Milchproduktekonsum jemand anderes unberücksichtig bleibt. Nämlich das Tier. Keines will sterben. Keine Kuh will ihr Kalb hergeben. Kein Küken hüpft freudig in den Schredder. Sie alle wollen leben und ganz sicher nicht auf Ihrem Teller landen.

Ihre Entscheidung Tierprodukte zu konsumieren, ist eben keine persönliche Entscheidung, die nur Sie angeht. Sie beeinträchtigt massiv ein anderes Lebewesen. Die Entscheidung, möglichst nur pflanzliche Produkte zu konsumieren, ist dagegen tatsächlich eine rein persönliche, denn sie betrifft nur diesen Menschen und sonst niemanden.

Außerdem sind Sie offenbar Archäologe und Anthropologe, denn Sie “wissen” ganz genau, dass die Entwicklung des menschlichen Gehirns ohne Fleisch nie möglich gewesen wäre. Was die Entwicklung des menschlichen Gehirns angeht, gibt es tatsächlich mehrere Theorien und die der Verfügbarkeit von Fleisch ist nur eine davon. Andere Theorien sind, dass die regelmäßige Zufuhr und halbwegs zuverlässige Versorgung von Nahrung durch Einführung des Ackerbaus dafür verantwortlich ist. Um erfolgreich Ackerbau zu betreiben, muss man eine Ahnung von den Jahreszeiten haben und Wochen und Monate im Voraus planen. Gut möglich, dass die erhöhte Hirnkapazität dafür nötig wurde. Andere machen die “Herrschaft” über das Feuer dafür verantwortlich. Gegarte Nahrung ist leichter verdaulich und ermöglicht so die schnellere Aufnahme der Nährstoffe. Wie so oft, wird die Wahrheit eine Mischung aus allen Ursachen sein.

Aber was tut eigentlich irgendein ferner Vorfahr für unsere heutige Lebenssituation zur Sache? Zumindestens wir hier in Europa haben ständig Nahrung aller Art im Überfluss. Wir sind also keineswegs gezwungen, alles Essbare das wir nur finden können, zu futtern, egal ob Tier oder nicht. Wir können wählen und es ist kinderleicht, sich vegan und gesund zu ernähren. Also ist es unnötig, Tiere auszubeuten und zu töten und somit tatsächlich unethisch.

Noch im Jahr 1609 kam es zu Kannibalismus unter Menschen. Sollten wir Kannibalismus deswegen legalisieren? Blöde Argumentation, nicht wahr?
http://www.focus.de/wissen/mensch/anthropologie/schrecklicher-hungerwinter-1609-erste-euro-amerikaner-waren-kannibalen_aid_977691.html

Als Nächstes in Ihrer “Argumentation” kommt die bis zum Erbrechen wiederholte Unterstellung, Veganer täten nichts, um bedürftigen Mitmenschen zu helfen. Sie fragen, wie oft wir uns für andere Menschen eingesetzt haben? Na, dann rücken Sie doch erstmal mit Ihrer Hilfestellung für notleidende Menschen heraus. Dann sage ich Ihnen gerne, was ich alles tue.

Sie werfen Veganern Profilierungssucht vor? Man kann sich auch wirklich ganz toll damit hervortun und wie man an Ihnen sieht, supernette und konstruktive Kontakte überall knüpfen. Ach, wie toll.

Tatsächlich wird man als Veganer bei jeder Gelegenheit angegriffen, angefeindet, lächerlich gemacht und mit Unterstellungen beharkt, genau wie Sie es tun. Macht wirklich viel Freude.

Nein, es ist keine Profilierungssucht, es ist der tief empfundene Wunsch, gequälte Kreaturen aus der menschengemachten Hölle zu erlösen. Mein persönlicher Grund ist, dass ich manchmal nachts weinend aus Alpträumen aufwache, weil das, was wir den Tieren antun, so entsetzlich ist, dass es jeder Beschreibung spottet. Und deshalb muss ich etwas dagegen tun und bin noch lange nicht extrem genug.

Hab ich alles abgehakt? Ja, sieht so aus. Dann zitiere ich Herrn Trapattoni: Ich habe fertig.